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Apotheke. Symbolfoto: Pascal Höfig
Apotheke. Symbolfoto: Pascal Höfig

Verschreibungspflicht von Medikamenten: Gründe dafür und dagegen

Es gibt eine ganze Reihe von Gründen, die dafür sprechen, wirksame Medikamente nur durch ärztliche Verschreibung zugänglich zu machen. Argumente für und gegen eine Verschreibungspflicht.

Was für eine Verschreibungspflicht spricht

Sicherheit der Medikamente

An erster Stelle steht die Sicherheit der Medikamente, die man von einem Arzt verschrieben bekommt und meistens über eine Apotheke bezieht. Somit bekommt man immer Anweisungen von Fachleuten mit auf den Weg, wie man die Medikamente nehmen soll, und wenn man Betreuung braucht, kann man sich direkt an den verschreibenden Arzt wenden. Ein Arzt kann einem sagen, welche Medikamente in der jeweiligen Situation am besten sind und die Nebenwirkungen beobachten. Auch in der Apotheke findet man Beratung zur richtigen Anwendung der Medikamente.

Möglicherweise keine Medikamente erforderlich

Zweitens sind zur Behandlung eines medizinischen Problems vielleicht gar keine Medikamente erforderlich, oder eine andere Form der Behandlung wäre besser geeignet. Ein erfahrener Arzt kann möglicherweise etwas vorschlagen, an das man als Patient nicht denkt. Bei allgemein zugänglichen Medikamenten würde diese Beratung wegfallen.

Kostenerstattung

Drittens bekommt man oft Kosten für Medikamente von der Krankenkasse erstattet. Das setzt allerdings eine Verschreibung voraus.

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Argumente für die Rezeptpflicht am Beispiel Sildenafil

Die Rezeptpflicht ist zum Wohle der Patienten gedacht, weil sie diese vor Wirkungen und Nebenwirkungen schützt, die sie selbst nicht abschätzen können.

Das gilt auch für scheinbar harmlose und millionenfach eingesetzte Präparate wie Viagra mit dem Wirkstoff Sildenafil.  Die leichtere Zugänglichkeit dieses Wirkstoffs würde dazu verführen, einfach eine Pille zu schlucken und mögliche Ursachen der Potenzprobleme zu verdrängen. So könnte etwa Diabetes unerkannt bleiben. Sildenafil kann außerdem in einigen Fällen gefährlich werden und beispielsweise Patienten mit schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen schädigen.

Diese möglichen Gefahren haben im Januar 2022 zur Entscheidung des deutschen Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte geführt, den Antrag, die Verschreibungspflicht für das wohl berühmteste Potenzmittel aufzuheben, einstimmig abzulehnen: Sildenafil bleibt rezeptpflichtig.

Einige andere Länder sehen das aber anders. In der Schweiz, Norwegen und Großbritannien gibt es keine Verschreibungspflicht mehr für Sildenafil, das man allerdings meistens über eine Apotheke beziehen muss. Dort argumentiert man, dass der Wirkstoff als sehr sicher gilt und die Nebenwirkungen genau dokumentiert sind.

Argumente gegen eine Verschreibungspflicht

Auch andere Gründe sprechen gegen eine Verschreibungspflicht. So fühlen sich manche Menschen in ihrem Recht auf Selbstmedikation verletzt. Es ist schließlich ihr Körper und sie sollten entscheiden können, wie sie ihn behandeln.

Sowohl Verbote von Medikamenten als auch die häufige Praxis, Medikamente zu verschreiben, ohne das ausführlich mit den Patienten zu besprechen, haben etwas Bevormundendes.

Freie Abgabe einer wirksamen Substanz am Beispiel Acetylsalicylsäure

Dabei zeigt die freie Abgabe des Verkaufsschlagers Aspirin mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure, dass die Konsumenten ein Medikament mit vielen Nebenwirkungen im Normalfall verwenden können, ohne sich selbst dabei zu schädigen. Aspirin hat nämlich eine lange andauernde blutverdünnende Wirkung, es kann die Nieren schädigen und zu Blutungen im Magen-Darm-Trakt führen. Trotzdem würde heute niemandem mehr einfallen, Aspirin rezeptpflichtig zu machen.

Ein Ende der Verschreibungspflicht würde mehr Selbstverantwortung bedeuten

Mit den heutigen Möglichkeiten, sich über alle Behandlungen zu informieren, wäre ein Recht auf Selbstmedikation durchaus zu rechtfertigen, solange bei manchen Medikamenten eine Aufklärung durch einen Arzt oder Apotheker vorgeschrieben ist, damit man etwa starke Nebenwirkungen und Wechselwirkungen vermeiden kann.

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Das würde jedoch voraussetzen, dass die Anwender sich tatsächlich selbstständig über die Medikamente, die sie nehmen möchten, informieren.

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