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Isolde Imschloß (links) und Christine Dietrich von der Beratungsstelle für Essstörungen am Gesundheitsamt Ansbach. Foto: Landratsamt Ansbach/Fabian Hähnlein
Isolde Imschloß (links) und Christine Dietrich von der Beratungsstelle für Essstörungen am Gesundheitsamt Ansbach. Foto: Landratsamt Ansbach/Fabian Hähnlein

Beratungsstelle „Strohhalm“: Hilfe in psychischen Krisen

Die Beratungsstelle für Essstörungen am Gesundheitsamt Ansbach registriert eine deutliche Zunahme psychischer Erkrankungen in den vergangenen Monaten. Hier zeigt sich, dass die Corona-Pandemie und die dadurch bedingten neuen Lebensumstände für viele Menschen zu einer enormen sozialen und seelischen Belastung geführt haben, so das Landratsamt in einer aktuellen Meldung.

Psychische Krisen durch Lockdown & Co. verstärkt

„Die langen Phasen des Lockdowns, der Isolierung und der damit verbundene Ausnahmezustand haben psychische Krisen verstärkt“, berichten die Beraterinnen Isolde Imschloß und Christine Dietrich. Es wurde viel Zeit im Homeoffice und Homeschooling verbracht, selbst der Freizeitbereich hat sich auf die eigenen vier Wände verlegt. Für die einen mag dies vielleicht eine willkommene Pause zwischen Jobterminen und privaten Verpflichtungen gewesen sein, für andere aber eine Zeit sozialer Isolation und Überforderung.

Suchtverhalten und Essstörungen begünstigt

Ängste vor der Zukunft, vor Kontrollverlust und generelle Unsicherheit machten sich unter diesen Rahmenbedingungen bei vielen stärker bemerkbar. Dies kann zum Beispiel Suchtverhalten und Essstörungen begünstigen und verstärken. Durch das Wegfallen sozialer Kontrollinstanzen wie Schule, Uni oder Büro blieben problemhafte Veränderung im Aussehen oder im Verhalten von Betroffenen länger unbemerkt. „Gerade der soziale Rückzug, der vielen Menschen mit Essstörungen gemein ist, hat sich manifestiert“, so Isolde Imschloß.

Nachfrage an Beratungsangeboten gestiegen

Somit stieg die Nachfrage nach dem Beratungsangebot von „Strohhalm“, der Beratungsstelle für Essstörung am Gesundheitsamt, spürbar an. Wie Christine Dietrich berichtet, machen auch Kliniken für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter dieselbe Erfahrung. Auch andere Beratungsstellen und niedergelassene Therapeuten verzeichnen einen starken Anstieg an Anfragen durch Betroffene und Angehörige. Lange Wartezeiten und reduziertes Therapieangebot in den Kliniken erschweren die Situation der Hilfesuchenden.

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Anorexie und Bulimie am häufigsten

Die häufigsten Krankheitsbilder sind hierbei Anorexie und Bulimie. Beide treten vor allem bei jungen Frauen, während der Pubertät und dem jungen Erwachsenenalter auf. Immer häufiger wird in den vergangenen Jahren eine Zunahme bei jungen Männern und Frauen im mittleren Alter verzeichnet.

Bulimie

Die Bulimie zeichnet sich durch unkontrollierte Essanfälle und nachfolgendes Erbrechen aus, welches der Gewichtszunahme vorbeugen soll. Um psychischen Stress abzubauen, greifen Betroffene zum Essen. Das kann ablenken, beruhigen, trösten und stabilisieren. Doch nach einem Essanfall ist für die Erkrankten das Dilemma groß. Wie kann ich das Essen wieder loswerden? Ein Teufelskreis aus Essen und Erbrechen beginnt.

Anorexie

Menschen mit Anorexie, also der Magersucht, verbringen hingegen viel Zeit damit, ein sehr geringes Gewicht durch geringe Nahrungsaufnahme zu erreichen. Typisch für eine Magersucht ist ein starker Gewichtsverlust oder anhaltendes Untergewicht. Betroffene haben Angst davor, zuzunehmen oder zu dick zu sein. Obwohl sie auffallend dünn sind, empfinden sie sich selbst als unförmig und dick. Sie beschäftigen sich mit Essensplänen, Lebensmitteln und Diäten. Hier hat neben der Nutzung des Internets vor allem auch die Zunahme visueller Kommunikationsmedien wie Instagram und Co. bei der Entstehung Aufwind bekommen.

„Instagram verändert unser inneres Bild und sagt uns, wie wir aussehen sollen: Wer schön und dünn ist, bekommt viele Likes“, sagt die Münchner Medienwissenschaftlerin und Medienpädagogin Dr. Maya Götz. „Instagram ist die Plattform für den perfekten Schein, und in dieser Welt funktioniert alles über die idealisierte körperliche Darstellung.“ Das eigene Körpergewicht oder die Figur haben einen übertrieben hohen Einfluss auf die Selbstbewertung von Menschen mit Magersucht.

Beratungsstelle „Strohhalm“

In Ansbach bietet die Beratungsstelle „Strohhalm“ seit Jahrzehnten Beratungsgespräche für Betroffene und Angehörige an. Ebenso ist die Präventionsarbeit ein Bereich, in dem die Sozialpädagoginnen aktiv sind. Auch Interessierte wie Lehrkräfte oder Erzieher und Erzieherinnen können Informationen zu verschiedenen Fragen in Bezug auf Essstörungen erhalten. Neben dem Beratungsangebot finden auch kontinuierliche Gruppenangebote für Betroffene und Angehörige statt. Die Gespräche in den Gruppen sind vertraulich und bieten für die Teilnehmenden einen Schutzraum, in dem persönlichen Erfahrungen ausgetauscht und individuelle Unterstützungsmöglichkeiten erarbeitet werden können.

Nähere Informationen und Termine der Gruppenangebote erfahren Sie bei den Sozialpädagoginnen des Gesundheitsamts Ansbach Isolde Imschloß 0981/468-7103 und Christine Dietrich 0981/468-7112.

Veranstaltungen und Vorträge zum Thema

Jährlich finden auch öffentliche Veranstaltungen des „Forum Essstörung“ statt. In diesem Jahr werden die Autorinnen Caro Matzko und Tanja Marfo in Ansbach zu Gast sein. Beide werden aus ihrem Buch „Size egal-dein Selbstbewusstsein kann nicht groß genug sein“ lesen. Als Betroffene berichten Beide am 23.09.2021 um 19.00 Uhr in den Kammerspielen Ansbach aus ihrem Leben. Pandemiebedingt ist bei dieser Veranstaltung die Teilnehmerzahl begrenzt und eine vorherige Anmeldung unter gesundheitsfoerderung@landratsamt-ansbach.de oder unter 0981 / 468-7101 notwendig.

Artikel beruht auf einer Pressemitteilung des Landratsamtes Ansbach. 
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