Banner
Daniela Rajewitz ist eine Beraterin des Vereins. Foto: Rauhreif e.V.
Daniela Rajewitz ist eine Beraterin des Vereins. Foto: Rauhreif e.V.

Hilfe gegen sexualisierte Gewalt: Rauhreif e.V. im Interview

„Sexualisierte Gewalt spielt sich überall ab. Auch hier in Ansbach.“ Die Mitglieder des Rauhreif e.V. bieten Hilfe bei sexualisierter Gewalt und haben eine eigene Fachberatungsstelle in Ansbach. Neben Beratungen und Selbsthilfegruppen bietet der Verein auch Präventionskurse an. Im Interview sprechen sie über ihre Angebote und warum dieses Thema viel mehr beachtet werden sollte.

Beratung und Prävention

Ansbach plus (AP): Stellt Euch doch mal kurz vor!
Rauhreif: Rauhreif e.V. Hilfe bei sexualisierter Gewalt ist ein Verein mit eigener Fachberatungsstelle in Ansbach. Unsere schönen Beratungsräume findet ihr in der Platenstraße 28 – mitten in Ansbach. Sie stehen allen Menschen offen, die direkt oder indirekt von sexualisierter Gewalt betroffen sind oder in der Vergangenheit waren. Die beiden Säulen unserer Arbeit sind Beratung und Prävention.

AP: Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, den Verein ins Leben zu rufen?
Rauhreif: Der Verein hat sich 1993 gegründet. Nach dem Bekanntwerden eines umfangreichen Missbrauchsskandals in unserer Region zeigte sich, dass viele betroffene Menschen fachlich qualifizierte Hilfe benötigten, die es bis dato noch nicht gab. Seit Januar 2020 wird die Arbeit des Vereins durch das Bundesmodellprojekt „Wir vor Ort gegen Sexualisierte Gewalt“ gefördert. Das hat uns ermöglicht, unser bisheriges Angebot deutlich auszubauen und zu digitalisieren, z.B. durch unsere neue Onlineberatung.

Ein Beratungsraum des Vereins. Foto: Rauhreif e.V.

Ein Beratungsraum des Vereins. Foto: Rauhreif e.V.

Rectangle
topmobile2

Aktuell 109 Mitglieder

AP: Wer steckt alles hinter dem Verein? Wie gestaltet sich Euer Team?
Rauhreif: Unser Team besteht aus vier hauptamtlichen Mitarbeiterinnen, externen Honorarkräften mit therapeutischer/psychologischer Ausbildung und dem ehrenamtlichen Vorstand. Gemeinsam sind wir für die Arbeit in der Fachberatungsstelle in Ansbach verantwortlich. Prävention, Beratung und Verwaltung liegen in den Händen der vier hauptamtlichen Mitarbeiterinnen. Der Verein hat aktuell 109 Mitglieder.

AP: Wie wird das Ganze finanziert?
Rauhreif: Rauhreif e.V. finanziert sich hauptsächlich aus Spendengeldern, Mitgliederbeiträgen und freiwilligen Zuschüssen der Stadt und des Landkreises Ansbach. Die Finanzierung über das Bundesmodellprojekt läuft nur noch bis Ende dieses Jahres. Wir hoffen, mit politischer Unterstützung diese wichtige Arbeit auch über das Jahresende hinaus auf dem jetzigen Stand finanziell zu sichern. Dafür reichen Spendengelder allein nicht aus.

AP: Wie kann man das Projekt unterstützen?
Rauhreif: Werdet Mitglied, spendet für uns und: Setzt Euch politisch für uns und den Fortbestand der Beratungsstelle ein!

Tabu weiter brechen

AP: Was bietet der Verein den Betroffenen?

Rauhreif: Wir beraten betroffene Menschen kostenlos, zeitnah und vertraulich. Besonders bei Rauhreif ist, dass wir Menschen jeden Geschlechts beraten. Auch Kinder und Jugendliche können sich an uns wenden. Wir bieten Unterstützung, mit der erlebten Gewalt einen Umgang zu finden, einen Ort, an dem alles gesagt werden kann — aber nicht muss. In unserer Haltung sind wir parteiisch für die Betroffenen. Wir Informieren z.B. darüber, was bei einer Strafanzeige passiert und begleiten betroffene Menschen auf Wunsch auch zu Terminen. Seit 2020 bieten wir eine Selbsthilfegruppe für betroffene Frauen an und ganz neu ist eine besonders geschützte Onlineberatung über unsere Homepage.

AP:Warum ist es für Euch wichtig, auf dieses Thema aufmerksam zu machen?
Rauhreif: Sexualisierte Gewalt spielt sich überall ab. Auch hier in Ansbach. Nur weil nicht darüber geredet wird, heißt das nicht, dass es keine Fälle gibt. Im Mai veröffentlichte die Polizei ihre Kriminalstatistik, die zeigt, dass die Fälle sexualisierter Gewalt weiter stark zunehmen.

Der Verein bietet auch Präventionskurse an Grundschulen. Foto: Rauhreif e.V.

Rectangle2
topmobile3

Bunte Armbänder mit passenden Sprüchen für die Präventionskurse. Foto: Rauhreif e.V.

Die Dunkelziffer ist in diesem Bereich sehr hoch. Die Weltgesundheitsorganisation weist darauf hin, dass statistisch in jeder Schulklasse 1-2 Kinder/Jugendliche von sexualisierter Gewalt betroffen sind. Rauhreif e.V. macht das Thema sexualisierte Gewalt öffentlich, spricht darüber und informiert mit dem Ziel das Tabu immer weiter zu brechen. Unsere Präventionsarbeit macht Kinder stark, schafft ein Bewusstsein für das Thema bei Verantwortlichen und Mitarbeitenden in Schulen, Kindergärten, Vereinen und anderen Organisationen.

Kostenlose Unterstützung

AP: Was möchtet Ihr mit dem Verein erreichen? Was sind Eure Ziele für die Zukunft?
Rauhreif: Aktuell ganz wichtig ist die finanzielle Absicherung der Beratungsstelle, sodass wir unsere Arbeit weiterführen und auch über das Jahr 2021 hinaus für Betroffene da sein können. Wir möchten unser Angebot ausbauen. Die Menschen aus Stadt und Landkreis Ansbach sollen uns kennen und wissen, dass es bei Rauhreif e.V. kostenlose Unterstützung und Hilfe gibt.

"Hilfe holen ist kein Petzen!". Foto: Rauhreif e.V.

„Hilfe holen ist kein Petzen!“. Foto: Rauhreif e.V.

Ein weiteres wichtiges Ziel ist eine flächendeckende Entwicklung von institutionellen Schutzkonzepten gegen sexualisierte Gewalt in der Region. Wir beraten und unterstützen Schulen, Einrichtungen, Vereine und Einzelpersonen bei diesem Prozess.

AP:: Was möchtet Ihr noch unbedingt loswerden?
Rauhreif: Aktuell ist die Zukunft unserer Arbeit finanziell nicht gesichert. Jede Stimme, die sich für Rauhreif e.V. ausspricht, ist eine Stimme mehr gegen sexualisierte Gewalt. Unterstützt uns mit Eurer Stimme, spendet für uns oder werdet Mitglied.

Banner 2 Topmobile