Finanzberater sind gefragter denn je! Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Arbeiten. Foto: Pascal Höfig

Mobbing am Arbeitsplatz: Eine Ansbacherin erzählt

Mobbing – ein Begriff der vielen, wenn überhaupt, aus der Schulzeit bekannt ist. Mittlerweile geschieht Mobbing aber nicht nur auf dem Pausenhof. Vor allem im Internet, auf Social Media Kanälen wird Cyber-Mobbing zu einem immer größeren Problem. Und auch im realen Leben findet die regelmäßige und wiederholte seelische Schikane einzelner Personen weiter statt. So auch am Arbeitsplatz. Eine Ansbacherin hat das am eigenen Leib erfahren. Wie alles angefangen hat, was man dagegen tun kann und wie es ihr heute geht, erzählt sie uns im Interview. Aufgrund des sensiblen Themas wird ihr Name im Interview bewusst nicht genannt.

Erfahrung & Berufsfeld

Ansbach Plus (AP): Hallo, könntest Du Dich einmal kurz vorstellen? Woher kommst Du und in welchem Berufsfeld bist Du tätig?

Hi, ich bin weiblich, 27 und komme aus Ansbach. Ich war bis vor zwei Jahren im Vertrieb einer Medienagentur aus Ansbach tätig. Wir waren für die Werbeanzeigen in Bus und Bahn im Umkreis zuständig. Aktuell bin ich in der Geschäftsfeldentwicklung mit Fokus auf den Vertrieb eines deutschlandweit agierenden Unternehmens tätig.

Ansbach Plus (AP): Hast Du früher schon einmal Erfahrungen mit Mobbing gemacht?

Zuvor hatte ich keinerlei Erfahrung mit Mobbing. Weder in meiner Schulzeit, Freizeit noch im Arbeitsverhältnis.

Letzter Ausweg: Kündigung

AP: Wie hat sich das Mobbing am Arbeitsplatz geäußert? Und wie hat es angefangen?

Angefangen hat es tatsächlich durch eine private Auseinandersetzung mit einer Kollegin, mit der ich privat befreundet war. Sie erfuhr von der Beziehung von mir und einem Kollegen, was nicht verboten war in unserer Firma. Dennoch hatten wir es natürlich nicht sofort an die große Glocke gehängt. Sie setzte mich sehr unter Druck. Drohte damit, dass sie kündigt, wenn ich weiterhin mit ihm zusammen bin. Ich hatte die Freundschaft beendet und habe Privates und Berufliches strikt getrennt. Für mich war das Thema damit auch gegessen.

Kollegin verbreitete Lügen

Einige Zeit später erfuhr ich, dass ich schwanger bin. Wir hatten uns sehr gefreut, doch leider hielt es nicht lange an. Denn ich erlitt eine Fehlgeburt. Aufgrund von Komplikationen war ich lange Zeit im Krankenhaus. In dieser Zeit hat die besagte Kollegin mit dem Mobbing begonnen. Sie bereitete alles während meiner Abwesenheit vor. Als ich zurück in die Firma kam, nach so einem Schicksalsschlag, merkte ich, dass alle anderen Kollegen mich nicht mehr grüßten. Nicht mal der Geschäftsführer (man muss dazu sagen, es sind zwei). Das Büro, in dem ich zuvor mit dieser Kollegin saß, war leer.

Keiner sagte mir, was passiert war. Auf wiederholte Nachfrage im Chef-Büro gab man mir ebenfalls keine Auskunft. Mir war klar, es handelt sich um eine schon fast kriminelle Schmutzkampagne gegen mich. Eine andere Kollegin, die nebenberuflich fotografiert, hatte mir sogar einen lang ausgemachten Termin für ein Foto-Shooting abgesagt. Leider auch ohne Angabe von Gründen. Es hieß lediglich „aufgrund der aktuellen Lage“.

Geschäftsführer blieben untätig

Ich suchte sehr oft das Gespräch zu beiden Geschäftsführern und bestand auf ein klärendes Gespräch mit der Kollegin, die alles ins Rollen gebracht hatte, doch es hieß, sie möchte nicht mit mir reden und die Geschäftsführung wird auch nichts dagegen unternehmen. Ein Geschäftsführer hat sogar extra den Hintereingang genommen, um mir nicht guten Morgen sagen zu müssen, da er sonst an meinem Büro vorbeilaufen muss. Mir wurde nicht erklärt, wie es beruflich für mich weitergeht. Es wirkte so, als wolle man mich einfach rausmobben.

Mit der Zeit erfuhr ich von einigen Kollegen, dass die besagte Kollegin und eine weitere, mit der sie nun in einem Büro saß, sehr intime Dinge über mich erzählten. Allerdings entsprachen diese absolut nicht der Wahrheit. Es ging schon so weit, dass mir sexuelle Handlungen am Arbeitsplatz unterstellt wurden. Es ist die schlimmste Art von Mobbing, wenn man nicht mal weiß, was erzählt wird und einfach von der gesamten Firma einschließlich Geschäftsführung ignoriert wird.

AP: Das Mobbing ging so weit, dass Du letztendlich zur Kündigung gedrängt wurdest. Was war der Auslöser dafür, gab es eine bestimmte Situation oder einen Vorfall?

Es ist natürlich klar, dass man in so einem Unternehmen nicht mehr tätig sein wollte. Man hat mit mir nicht mehr gesprochen, es wurde nicht gesagt, wie es weitergeht. Ich habe keinerlei Anweisungen mehr zu meiner Tätigkeit dort bekommen. Man hat versucht, das Verhältnis auslaufen zu lassen. Im Nachgang erfuhr ich von einem Kollegen, der dort nach wie vor tätig ist, dass die Geschäftsführung sich sehr böswillig zu meiner Schwangerschaft äußerte. Sie wussten, dass ich einen Kinderwunsch habe und dass meine Fehlgeburt ihnen zugutekam. Denn so konnten Sie mich noch vor einer Schwangerschaft rauswerfen. Klar, wer will denn schon während der Elternzeit jemanden finanzieren ohne Arbeitsleistung. Es klingt hart und es war auch hart, sowas zu hören. Vor allem von einem Unternehmen, das mit den großen Playern wie Siemens arbeitet.

Keine Chance auf Rechtfertigung

Das, was eine Kollegin erzählt hatte, wäre alles nicht schlimm gewesen, wenn man mir die Chance gegeben hätte, darauf einzugehen und alles klarzustellen. Das Schlimmste war für mich, dass die Geschäftsführung die Lügen als Grund nahmen, um mich rauszubekommen, damit sie keine Schwangere bezahlen müssen. Kündigen konnten sie mich nicht – nicht ohne eine Abfindung zu zahlen, denn ich gab ihnen keinen Kündigungsgrund. Also wurde ich einfach rausgemobbt. Sie schafften es. Ich kündigte. Der Auslöser war ganz klar die Unmenschlichkeit. Ich wurde weder verabschiedet, noch hat man sich bei mir für meine Arbeit in den letzten vier Jahren bedankt.

Vorgehen gegen Mobbing

AP: Wie bist Du dagegen vorgegangen? Hast Du Dir interne oder externe Hilfe geholt?

Ich wollte strafrechtlich dagegen vorgehen. Ich war beim Anwalt und hatte mir alles genau erklären lassen. Allerdings hatte ich mit meinem Schicksalsschlag so zu kämpfen, dass ich beschloss, es nicht zu tun. Ich wollte nicht aus dem Affekt handeln. Mir war es wichtig, mich erstmal um mich zu kümmern und dieses Kapitel abzuhaken. Doch ich kann sagen, das war nicht der richtige Weg. Denn es wurde einfach totgeschwiegen. Niemand lernte aus seinen Fehlern.

AP: Was hättest Du Dir für Maßnahmen seitens des Arbeitgebers gewünscht?

Der Arbeitgeber hätte ganz klar etwas dagegen unternehmen müssen. Es hätte eine Aussprache geben sollen. Man hätte mich aufklären müssen und man hätte offen mit allen Kollegen sprechen müssen. Niemand darf Mobbing eine Bühne geben. Ich wollte die Sache klarstellen und hoffte auf Hilfe seitens des Arbeitgebers. Aber leider war in meinem Fall die Geschäftsführung Mittäter. Das ist schrecklich.

Leben nach der Schmutzkampagne

AP: Wie lange liegt dieser Vorfall zurück? Wie geht es Dir heute?

Das Ganze ist jetzt ca. 1,5 Jahre her. Heute geht es mir sehr gut. Ich habe einen tollen Job in einer Führungsposition in einem bekannten Unternehmen. Die Beziehung zu dem Kollegen hält weiterhin an und wurde durch all das sogar noch mehr gestärkt: Wir sind mittlerweile glücklich verlobt.

AP: Wie ist die Situation an Deinem neuen Arbeitsplatz?

Ich liebe meinen neuen Arbeitsplatz. Der Grund, wieso ich mich für diese Firma entschieden hatte war, dass die Mitarbeiter wertgeschätzt werden. Jeder Einzelne wurde herzlich willkommen geheißen, obwohl die Firma hunderte von Mitarbeitern hat. Selbst die, die kündigen, werden ordentlich verabschiedet. Probleme werden sofort angesprochen und gelöst. Es ist genau der richtige Weg und ich kann es nur jedem Arbeitgeber ans Herz legen. Kommunikation ist alles.

„Keiner wird glücklicher, wenn er einen anderen schlecht macht“

AP: Was rätst Du Menschen, denen es ähnlich ergeht wie Dir damals?

Sofort den Mund aufmachen. Da ich leider privat mit einem Schicksalsschlag zu kämpfen hatte, habe ich lange geschwiegen oder bin einfach zu zart an die Sache rangegangen. Sobald man Anzeichen bemerkt, sollte man direkt ins Gespräch gehen. Und wenn der Arbeitgeber, wie in meinem Fall, nicht bereit ist, dann sucht euch Hilfe beim Arbeitsgericht. Anders wird keiner aus seinen Fehlern schlau.

AP: Gibt es noch etwas, dass Du unseren Lesern mitteilen möchtest?

Mobbing gibt es nicht nur am Arbeitsplatz. Schmutzkampagnen werden aktuell immer häufiger gestartet. Mobber sind nie alleine. Sie suchen sich immer Anhänger, die sie manipulieren, um noch stärker zu sein. Doch das ist nicht stark. Ich bitte jeden: Hört auf damit! Leben und leben lassen. Keiner wird glücklicher, wenn er einen anderen schlecht macht oder mobbt. Man weiß nie, wie eine Person auf sowas reagiert. Ihr habt keine Ahnung, wie ihr einige Menschen unglücklich machen könnt mit solchen schlimmen Aktionen. Seid lieb zueinander. Haltet zusammen und sprecht offen über eure Probleme!

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