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Die in diesem Jahr getroffenen Anti-Coronavirus-Maßnahmen der Regierung bedeuten, dass Kinder jeden Alters in Deutschland derzeit über Fernunterrichtsprogramme von zu Hause aus unterrichtet werden. Foto: Pascal Höfig
Die in diesem Jahr getroffenen Anti-Coronavirus-Maßnahmen der Regierung bedeuten, dass Kinder jeden Alters in Deutschland derzeit über Fernunterrichtsprogramme von zu Hause aus unterrichtet werden. Foto: Pascal Höfig

Interessante Fakten über das Online-Studium in Deutschland

Das deutsche Bildungssystem ist stark von der Regionalpolitik geprägt und befindet sich noch im Anpassungsprozess an die durch den Bologna-Prozess initiierten Änderungen. Obwohl die Umsetzung des Bachelor- und Master-Systems weitgehend abgeschlossen ist, ist der Mangel an sozialer Mobilität wie zum Beispiel bei einem Online-Studium im deutschen Bildungssystem immer noch eine Herausforderung: „In Deutschland haben nur 24 Prozent der Erwachsenen (Nicht-Studenten) ein höheres Bildungsniveau als ihre Eltern erreicht, der zweitkleinste Anteil unter den OECD-Ländern.“

Fernstudium vs. Fernunterricht

Während sich Fernunterricht hauptsächlich auf nicht-akademische Programme konzentriert und zu keinem akademischen Abschluss führt, bezieht sich der Begriff „Fernstudium“ auf ein Programm an einer Hochschule, entweder im privaten oder im öffentlichen Sektor. Online-Studium als Begriff lässt sich auch an Veranstaltungen dritter Art anwenden, zum Beispiel Sprachkurse, die über Anbieter wie Preply verfügbar sind.     

Wie sieht es bei jungen Menschen aus?

Jüngere Menschen in Deutschland sind unter denjenigen, die innerhalb der OECD-Länder am wenigsten mobil sind. 24 Prozent der jungen Erwachsenen bis 34 Jahre haben eine geringere Qualifikation als ihre Eltern, verglichen mit einem OECD-Durchschnitt von 16 Prozent. Diese Befunde lassen sich teilweise durch die etablierten und anerkannten Fachoberschulen (duales System) und die vergleichsweise niedrigen Arbeitslosenquote (6,5 Prozent insgesamt und 4,3 Prozent für Personen unter 20 Jahren) erklären.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Alle 16 Bundesländer regeln ihre jeweiligen Bildungssysteme, obwohl sich diese mehr ähneln als unterscheiden. Es müssen mindestens 18 verschiedene Gesetze berücksichtigt werden, die alle die Entwicklung des Fernunterrichts in der Hochschulbildung beeinflussen, nämlich das HRG, die LHG, und das FernUSG. Letzteres konzentriert sich zwar generell auf Aspekte des Fernunterrichts. In besonderen Fällen kann es aber auch zu Kursen an Universitäten und ähnlichen Einrichtungen anwendbar sein. Es ist noch nicht endgültig entschieden, ob dieses Gesetz auf diese Kurse angewendet werden muss.

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Kann Online-Studium gefährlich sein?

Ja, das ist möglich. Erst vor Kurzem gab es eine Situation, die Besorgnis darüber erweckt hat, dass Grundschulkinder während des Fernunterrichts Pornografie ausgesetzt sind. In den letzten Wochen haben mehrere solcher Hack-Angriffe stattgefunden. Die in diesem Jahr getroffenen Anti-Coronavirus-Maßnahmen der Regierung bedeuten, dass Kinder jedes Alters in Deutschland derzeit über Fernunterrichtsprogramme von zu Hause aus unterrichtet werden. In mehreren Bundesstaaten sind Vorfälle bekannt geworden, in denen Grundschulkinder während des Unterrichts plötzlich unangemessenen Inhalten ausgesetzt wurden. So zum Beispiel in Mainburg, Niederbayern. Hier wurdem einem Achtjährigen während eines Online-Unterrichts Bilder eines nackten Mannes gezeigt. In Florstadt, Hessen, zeigte ein unbekannter Hacker einer zweiten Klasse Pornografie.

Schulträger haben Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen der Bilder auf kleine Kinder geäußert. Eine Vertreterin kommentiert: “Egal wie offen und liberal die Erziehung eines Kindes ist, es ist eine Schocksituation, wenn sie im geschützten Schulbereich plötzlich eine solche Begegnung haben. Dies ist eine neue Gefahr für den Unterricht.“

Geschichte des Fernstudiums und seiner Entwicklung in Deutschland

In den 1970er Jahren schlossen sich fast 80 deutsche Universitäten zur Hochschulvereinigung für das Fernstudium im Medienverbund (HVF) zusammen. Anschließend wurden kollaborative Fernunterrichtsprojekte gestartet und Material entwickelt. Wegen Mangel an einer zusammenhängenden Infrastruktur wurden die unterschiedlichen Fernunterrichtsansätze des Landes jedoch vorübergehend zum Erliegen gebracht. Angesichts dieser Situation beschloss das Land Nordrhein-Westfalen im Dezember 1974, seine Fernunterrichtsaktivitäten durch die Gründung der Fernuniversität in Hagen zu konsolidieren, einer Hochschule nach dem Vorbild der fünf Jahre zuvor gegründeten britischen Open University.

Trotz politischer Einwände ging die Entwicklung der Fernuniversität zügig voran, vor allem, weil sie als erste und einzige Einrichtung flexible Universitätsgrundstudiengänge anbot, die auf die Bedürfnisse berufstätiger Erwachsener und derjenigen zugeschnitten waren, die sonst aus geografischen oder zeitlichen Gründen keinen Zugang zur Hochschulbildung hatten. Die Fernuniversität hat bis heute eine beherrschende Stellung unter den deutschen Fernunterrichtsanbietern. Diese spielt auch eine wichtige Rolle in der vor einigen Jahren gegründeten Vereinigung europäischer Fernuniversitäten. Dennoch trat die akademische Weiterbildung über Fernunterricht bis vor kurzem nicht in den Vordergrund.

Online-Studium: Die Situation heutzutage

Deutschland liegt hinsichtlich des Anteils ein Viertel unter den anderen westlichen Ländern, wenn es um neue StudentInnen oder AbsolventInnen geht. StudentInnen aus der Unterschicht sind besonders benachteiligt. Sie haben keine gleiche Chance auf einen Hochschulabschluss als Studierende, deren Eltern bereits einen solchen Abschluss erreicht haben.

Die Wahrscheinlichkeit einer Einschreibung an einer Hochschule ist doppelt so hoch für Kinder mit hochqualifizierten Eltern als für Kinder, deren Eltern nicht sehr qualifiziert sind. Darüber hinaus verringert ein höherer Bildungsabschluss die Wahrscheinlichkeit von Arbeitslosigkeit und erhöht ihr Arbeitseinkommen: Im Jahr 2012 lag der Verdienst deutscher ArbeitnehmerInnen mit niedrigerer Schulbildung bei 84 Prozent dessen ihrer Altersgenossen mit Sekundarstufe II. Dennoch lag er immer noch deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 76 Prozent.

Am Online-Studium-Angebot sind heute verschiedene Hochschulstrukturen beteiligt. Lernzentren umfassen entweder Wissenschaftszentren oder Dienstleistungseinheiten. Wissenschaftszentren gelten als bedeutsamer als Dienstleistungseinheiten, da sie in Forschung und Lehre tätig sind und daher als Teil des akademischen Establishments ernst genommen werden. Neben den Lernzentren gibt es in Deutschland eine Reihe von Konsortien: drei Fernunterrichtsverbände und fünf virtuelle Universitäten, die von verschiedenen kooperierenden Universitäten gesponsert werden. Den meisten Mitgliedern des Konsortiums wurde der Status einer Universität verliehen. Die Konsortialstruktur ermöglicht die Bildung einer Zentralstelle, die als zusammenhängende Koordinierungseinheit fungiert.

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