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Wer eine ausgefüllte freiwillige Mieterselbstauskunft vorweist, steigert seine Chancen auf eine Wohnung enorm. Symbolfoto: Pascal Höfig
Wer eine ausgefüllte freiwillige Mieterselbstauskunft vorweist, steigert seine Chancen auf eine Wohnung enorm. Symbolfoto: Pascal Höfig

Barrierefreier Umbau: Eine Alternative zum Alters- oder Pflegeheim?

Nicht immer muss es ein teurer Platz im Pflege- oder Altenheim sein: Teilweise können sich Seniorinnen und Senioren die notwendige Eigenständigkeit mit einer Investition in den barrierefreien Umbau ihrer Wohnung beziehungsweise ihres Hauses erhalten. Das gilt im Besonderen dann, wenn die Pflegebedürftigkeit (noch) nicht stark ausgeprägt ist.

Alters- & Pflegeheim nicht immer notwendig

Ein Platz im Pflegeheim ist mit hohen Kosten verbunden. Pro Monat müssen durchschnittlich 3.000 Euro von den Betroffenen oder deren Angehörigen berappt werden. Die ambulanten Sachleistungen der Pflegekassen reichen selbst bei einem sehr hohen Pflegegrad kaum, um diese Kosten zu decken. Beispiel: In Pflegegrad 3 betragen die monatlichen Leistungen für eine stationäre Pflege 1.298 Euro. Da wirkt auch der zusätzlich gezahlte Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro monatlich nur wie ein Tropfen auf den heißen Stein.

Den Alltag eigenständig meistern

Dabei ist der Umzug ins Alters- oder Pflegeheim nicht immer notwendig. Häufig sind Seniorinnen und Senioren noch selbstständig genug, um ihren Alltag vollkommen eigenständig zu meistern. Lediglich Barrieren im Haus oder in der Wohnung sorgen zum Teil dafür, dass man auf fremde Hilfe angewiesen ist.

Kann diese Hilfe nicht unentgeltlich gewährleistet werden, weil beispielsweise die Angehörigen berufstätig sind, weit weg wohnen oder es keine Angehörigen gibt, wird es teuer. Die private Zuzahlung für einen Platz im Altenheim oder eine ambulante Pflege liegt ohne entsprechenden Pflegebedarf bei nahezu 100 Prozent. Unterstützende Leistungen der Pflegeversicherung erhalten Versicherte erst ab Pflegegrad 2. Die Investition in Barrierefreiheit kann deshalb eine gute sein. Selbst wenn sich der Pflegebedarf erhöht, ist die Barrierereduzierung oft Voraussetzung, um die Pflege zu Hause durch Angehörige oder Fachpersonal sicherzustellen.

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Pflegegeld zur Deckung der häuslichen Pflege

Wer sich gegen eine stationäre und aus vielen guten Gründen für die Pflege zu Hause entscheidet, erhält ab Pflegegrad 2 statt einer ambulanten Sachleistung ein Pflegegeld. Dieses beginnt bei 316 Euro pro Monat. Als Voraussetzung für Pflegegrad 2 gilt unter anderem, dass Betroffene mindestens dreimal pro Tag (zu verschiedenen Tageszeiten) Hilfe bei der Grundpflege (Körperpflege, Ernährung und Mobilität) benötigen. Die maximale Pflegegeldhöhe liegt bei 901 Euro monatlich in Pflegegrad 5.

Kombinationspflege

Unterstützen lassen können sich Pflegebedürftige durch Angehörige oder einen ambulanten Pflegedienst. Dieser rechnet seine Leistungen für gewöhnlich direkt über die ambulanten Sachleistungen – also nicht über das Pflegegeld – mit der Pflegekasse ab. In diesem Fall spricht man dann von der Kombinationspflege. Werden weniger finanzielle Leistungen für den Pflegedienst gebraucht als einem gemäß Pflegegrad zustehen, wird der restliche Betrag prozentual als Pflegegeld ausgezahlt.

Ganz klar: Je umfassender die Betreuung, desto höher die Kosten. Eine 24-Stunden Rundum-Versorgung wird wie ein Platz im Pflegeheim kaum von den ambulanten Sachleistungen realisiert werden können. Der Mehrwert für Betroffene besteht darin, den Lebensabend in der gewohnten Umgebung verbringen zu dürfen.

Pflegedienste aus Osteuropa sind für gewöhnlich nicht zertifiziert. Die Kosten werden also auch nicht von den Versicherungen übernommen. In diesen Fällen wird lediglich das Pflegegeld an die Versicherten ausgezahlt.

Ersatz- / Verhinderungspflege als Zusatzleistungen

Zusätzlich zum Pflegegeld, den Sachleistungen oder einer entsprechenden Kombinationsleistung stehen Betroffenen bis zu sechs Wochen Ersatz-/ Verhinderungspflege pro Kalenderjahr zu. Diese ist primär zur Entlastung pflegender Angehöriger gedacht – beispielsweise bei Krankheit oder Urlaub. Die Kostenbeteiligung der Pflegekasse beträgt hier jährlich 1.612 Euro. 

Auch Abbau von Barrieren mit Kosten verbunden

Die notwendige barrierefreie Umgebung beginnt schon im Eingangsbereich. Treppen müssen gegebenenfalls so nachgerüstet werden, dass sie samt Rollstuhl oder Rollator befahrbar sind. Reicht eine kleine Rollstuhlrampe nicht aus, weil ganze Etagen überwunden werden müssen, lässt sich das Problem durch einen Treppenlift lösen. Kostenpunkt: ab 3.500 Euro für einen gebrauchten Sitzlift. Aufwendige Konstruktionen für kurvige Treppen und spezielle Lösungen für Rollstuhlfahrer können schnell fünfstellige Kosten verursachen.

Barrieren in Bad & Küche reduzieren

Weiter geht’s im Bad: Mit einer bodenebenen Dusche ist es nicht getan. Zudem muss ausreichend Platz zwischen den Sanitärobjekten vorhanden sein. Rutschfeste Bodenbeläge senken darüber hinaus das Sturzrisiko. Was im Bad gilt, das gilt auch in der Küche. Die Bedienelemente von Herd und Co. sind idealerweise so angebracht, dass man sie bedienen kann, ohne sich bücken zu müssen. Das minimiert die Schmerzbelastung bei durch ein fortgeschrittenes Alter begünstigen Erkrankungen wie Arthrose und Osteoporose.

Für Rollstuhlfahrer / innen gelten gegebenenfalls andere “Bedienhöhen” als ideal. Auskunft über die exakten Maße und Voraussetzungen, die an die Begriffe “barrierefrei” und “rollstuhlgerecht” gestellt werden, gibt die DIN Norm 18040-2. Vermieter, die mit entsprechenden Begrifflichkeiten werben möchten, sollten sich an die gegebenen Normen, die Bestandteil der Landesbauordnungen sind, halten.

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Finanzierungshilfen für barrierefreien Umbau

Was alles erst einmal nicht nach der großen Ersparnis im Vergleich zum Altenheim klingt, kann in der Praxis durch Förderkredite und direkte Zuschüsse finanziert werden. Außerdem steigt der Immobilienwert durch einen Umbau. Statt das Haus zur Deckung der Pflegekosten zu veräußern, lässt sich dieses im besten Fall halten. Selbst wenn man sich doch irgendwann für den Verkauf entscheidet, kann man durch die barrierefreie Modernisierung auf dem Immobilienmarkt einen höheren Preis erzielen.

KfW Förderung oder Pflegekassenzuschuss

Ab Pflegegrad 1 beteiligt sich die Pflegekasse einmalig mit bis zu 4.000 Euro pro Person und maximal 16.000 Euro pro Haushalt an “wohnumfeldverbessernden Maßnahmen”. Ein pflegebedürftiges Ehepaar würde entsprechend bis zu 8.000 Euro erhalten. Verändert sich der Pflegebedarf, wird der Zuschuss im Einzelfall sogar ein zweites Mal gewährt.

ÖPNV-Nutzung leicht gemacht für Senioren

Für Personen ohne Pflegegrad ist die staatliche Förderbank KfW der richtige Ansprechpartner. Im Rahmen des “Zuschuss 455-B – Barrierereduzierung” beteiligt sich die Kreditanstalt für Wiederaufbau mit bis zu 12,5 Prozent an den förderfähigen Investitionskosten – maximal jedoch mit 6.250 Euro. Einzelmaßnahmen zur Barriere­reduzierung werden mit 10 Prozent und maximal 5.000 Euro bezuschusst.

Alternativ dazu können Verbraucher einen zinsgünstigen Kredit in Höhe von bis zu 50.000 Euro bei der KfW beantragen. Der effektive Jahreszins beginnt bei 0,78 Prozent per annum mit zwei tilgungsfreien Jahren. Auch die Landesbanken bieten attraktive Angebote. Berate lassen können sich Interessenten über die Hausbank.

Barrierefreier Umbau in Mietwohnungen möglich?

Etwa 58 Prozent aller Deutschen wohnen zur Miete. Das Thema Barrierefreiheit betrifft also nicht nur die Eigenheimbesitzer. Aber wie sieht es mit notwendigen Umbauten aus: Sind die Mieter berechtigt, notwendige Renovierungen in Auftrag zu geben und wer zahlt am Ende des Tages dafür?

Duldung notwendiger Umbauten auf Kosten der Mieter

Die Rechtsprechung bei einem Umbau ist relativ eindeutig: Wenn Mieter beispielsweise einen Treppenlift im für alle Mietparteien zugänglichen Treppenhaus benötigen, um Zugang zur eigenen Wohnung zu erhalten, muss die bauliche Veränderung gemäß § 554a des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) durch die Eigentümer geduldet werden. Eine Genehmigung vom Vermieter braucht es der Form halber dennoch. 

Die Kosten sind von der Mietpartei zu tragen, die im Übrigen auch für den Rückbau nach Beendigung des Mietverhältnisses aufkommen muss. Gleiches gilt für Veränderungen innerhalb der Wohnung wie beispielsweise den Umbau des Badezimmers. In der Praxis werden jedoch oft individuelle Vereinbarungen getroffen. Schließlich profitieren auch die Eigentümer von entsprechenden “Modernisierungen”.

Falls Eigentümer rein prophylaktisch bauliche Veränderungen an gemeinschaftlich genutzten Bereichen der Immobilie vornehmen lassen, muss die gesamte Eigentümergemeinschaft dem Vorhaben vorab zustimmen. Die Frage, ob eine Umlage der Investitionskosten auf die Mietparteien möglich ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Sachlage ist hier nicht ganz so eindeutig wie bei energetischen Sanierungen – zum Beispiel der Dämmung und dem Einbau nachhaltiger Heizsysteme.

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