Symbolfoto Arzt. Foto: Pascal Höfig
Symbolfoto Arzt. Foto: Pascal Höfig

Arzt-Patienten-Kommunikation: Was wünschen sich Patienten?

Seit der Coronakrise wissen viele Patienten ihre Ärzte mehr zu schätzen. Nichtsdestotrotz steigen bei der Ärztewahl seit Jahren die Ansprüche. Insbesondere im Hinblick auf die Kommunikation müssen Ärzte und Ärztinnen die Wünsche ihrer Patienten berücksichtigen, um dauerhaft erfolgreiche Praxen zu führen. Im stressigen Praxisalltag wird die Auseinandersetzung mit den gestiegenen Anforderungen an das Arzt-Patienten-Gespräch leider oft vernachlässigt. Ein schwerer Fehler, denn die informative und einfühlsame Kommunikation gehört zu den wichtigsten und zugleich herausforderndsten Aufgaben aller Ärzte.

Wieso die Digitalisierung alles verändert

Die Digitalisierung hat viele Seiten. Für den Handel ist sie zugleich Fluch und Segen. Für Kulturschaffende eine Rettungsleine in der Coronakrise und auch aus dem Gesundheitswesen ist sie längst nicht mehr wegzudenken. Fest steht, dass sie den Konsumenten von heute in vielerlei Hinsicht beeinflusst. Auch die moderne Patientenschaft kann sich dem nicht entziehen. Heutzutage sind Patienten wegen der Digitalisierung

  • an zeitsparende, direkte, jederzeit verfügbare Kommunikationswege gewöhnt, wie sie im Chat-Zeitalter allgegenwärtig sind.
  • besser informiert, weil sie über das Internet jederzeit Zugang zu gesundheitsrelevantem Wissen haben.
  • an personalisierte Angebote gewöhnt, wie man ihnen im Internetzeitalter mehrmals täglich begegnet.
  • daran interessiert, dass man – wie im Internet üblich – auf Augenhöhe mit ihnen kommuniziert.
  • an klare, einfache Sprache gewöhnt, wie sie im Web genutzt wird.

Zahlreiche Arztpraxen haben auf neue Anforderungen wie die genannten bereits reagiert, so beispielsweise durch die Integration digitaler Kommunikationskanäle wie Videochats. Beachtenswert bleibt im Kontext der veränderten Patientenbedürfnisse, dass die ältere Generation heutzutage nicht unbedingt dieselben Anforderungen stellt wie die jüngere. Ärzte stehen daher vor der Herausforderung, ihre Arzt-Patienten-Kommunikation und die genutzten Kommunikationskanäle flexibel zu gestalten. Mehr als die Hälfte aller deutschen Praxen bietet mittlerweile Videosprechstunden an. Die Patienten entscheiden selbst, ob sie Angebote wie diese auch tatsächlich nutzen wollen oder den altbewährten Weg bevorzugen.

Angenehme Arzt-Patienten-Gespräche: Worauf kommt es an?

Ob vor oder nach der Digitalisierung: Die Vertrauensbasis ist eines der wichtigsten Elemente der Arzt-Patienten-Beziehung. Damit sich Patienten bei ihren Ärzten sicher und gut aufgehoben fühlen, muss in der direkten Kommunikation viel Wert auf Einfühlsamkeit und Nähe gelegt werden, insbesondere im Falle schlechter Diagnosen. In vielversprechenden Arzt-Patienten-Gesprächen

  • begeben sich Ärzte in die Vorstellungswelt ihrer Patienten, um Inhalte aus deren Perspektive zu betrachten.
  • kommt keine wissenschaftlich-medizinische Fachsprache, sondern möglichst klare Sprache zum Einsatz.
  • kommuniziert man mit Verbindlichkeit und Eindeutigkeit, um den Interpretationsspielraum gering zu halten.
  • spricht man von Mensch zu Mensch, damit sich Patienten nicht wie medizinische Objekte fühlen.
  • nutzt man einfühlsame Sprachmuster.
  • redet man langsam und mit Pausen, damit Patienten folgen können.
  • achtet man auf ruhige Gestik und Mimik.

Übrigens: Dass Arztpraxen irgendwann vorwiegend digitale Kommunikationskanäle nutzen werden, halten Experten für ausgeschlossen. Die für Arzt-Patienten-Gespräche erforderliche Nähe und Vertrauensbasis lassen sich mit einer ausschließlich digitalen Kommunikation nämlich nur schwer erreichen.

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