Die Rokoko-Festspiele in Ansbach. Foto: Stadt Ansbach
Die Rokoko-Festspiele in Ansbach. Foto: Stadt Ansbach

Rokoko-Festspiele: Blick hinter die Fassade von Pomp und Puder

Definitiv ein Highlight im Ansbacher Veranstaltungskalender sind die alljährlichen Rokoko-Festspiele. Aufgrund von Corona war lange nicht sicher, ob das Fest dieses Jahr stattfinden kann. Doch die Lage entspannt sich langsam und Dank verschiedener Lockerungen hat sich die Stadt dazu entschieden, das traditionelle Festival – wenn auch mit geändertem Konzept – durchzuführen. Von Freitag, 3. Juli, bis Sonntag, 5. Juli, wird es also ein „Rokoko unter Freunden“ geben. Dann heißt es wieder Musik und Kultur aus der Zeit des Rokoko hautnah erleben. Darsteller werden in die aufwändigen Kostüme schlüpfen, um die Veranstaltungen noch authentischer wirken zu lassen. Zweifelsohne schön anzusehen, doch was steckte eigentlich hinter der Fassade von Pomp und Puder im 18. Jahrhundert?

Glamourös nur für wenige

Die Offene Linke Ansbach beschäftigt sich eben genau mit dieser Frage und setzt sich mit dem Thema Rokoko-Festspiele schon seit Längerem kritisch auseinander. „Die Rokoko-Festspiele sind ein fester Bestandteil im Ansbacher Veranstaltungskalender. Wir freuen uns, dass in der derzeitigen Situation zumindest dieses schöne Fest, wenn auch in reduzierter Form, stattfinden kann“, so Boris-André Meyer von der OLA.

„Viele Ansbacher tauchen die Stadt in das glamouröse Flair des 18. Jahrhundert. Glamourös war die Zeit des Rokoko tatsächlich nur für wenige. Die Masse der Bevölkerung zahlte für Krisen und Kriege teuer. Das gipfelte im Verkauf von über 1.600 Landeskindern des Ansbacher Markgrafen als Soldaten an den König von England für den Unabhängigkeitskrieg in Nordamerika. Nur so konnte die Party der High-Society zumindest noch einige Jahre weitergehen, bis der Herrscher im Jahr 1791 Ansbach schließlich für 300.000 Gulden Leibrente an Preußen verscherbelte. Ein Schlaglicht auf die Brüche und die extreme Ungleichheit im Untertanenstaat tut den Festspielen sicherlich gut. Denn hinter der Fassade von Pomp und Puder verbarg sich Armut und Drangsal für die große Mehrheit.“

Bogen in die heutige Zeit schlagen

Laut OLA könne man damit auch gut den Bogen in unsere Zeit spannen. „In dieser droht, dass erneut Arbeitnehmer, Familien mit Kindern und kleine Betriebe die Kosten der derzeitigen Krise zahlen müssen, während sich einige Wenige an ihr bereichern. Wir arbeiten dafür, dass sich Geschichte an diesem Punkt in Ansbach nicht wiederholt: Die OLA-Fraktion will im Stadtrat erreichen, dass bei Kultur, Bildung, Sport und im sozialen Bereich nicht noch weiter gekürzt wird.“

Wäre es also nötig, die Geschichte hinter dem höfischen Glanz zu erzählen und sie ebenso Teil der Rokoko-Festspiele werden zu lassen? Für die OLA wäre es zumindest ein guter Ansatz – auch um für die Zukunft daraus zu lernen.

- ANZEIGE -