Symbolfoto Hund: Pascal Höfig
Symbolfoto Hund: Pascal Höfig

Gastbeitrag: Erste Hilfe in Notsituationen – wenn Vierbeiner ums Überleben kämpfen

Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Gastbeitrag von Sarah von Mantrailing Mittelfranken  zum Welttierschutztag am 04.10.2019.

Tierschutz ist ein wahnsinnig umfangreiches Thema. Wo fängt Tierschutz an und wie ist er umsetzbar? Ich bin vom Veterinäramt nach §11 geprüfte Hundetrainerin und seit Ende letzten Jahres betreibe ich meine eigene Mantrailing-Schule (Personensuche mit Hunden). Ich sehe viele Hunde und habe auch immer wieder mit Verletzungen und Krankheiten der Vierbeiner zu tun.

Ein Hund wird beim Spazierengehen gebissen, ein Tritt in eine herumliegende Glasscherbe, oder eine Krankheit, wie der Zwingerhusten, sind immer wieder Gründe, aus denen Hunde nicht am Training teilnehmen können. Für Hundebesitzer gehören solche Dinge mehr oder weniger zum Alltag. Man erlebt – und sorgt sich – sicherlich nicht wenig, wenn man einen Hund hält und liebt. Sie gehören zu unserem Leben, wie Familienmitglieder. In meinem Umfeld und meinem beruflichen Alltag als Hundesport-Trainerin, begegnen mir täglich Menschen, die keine Kosten, Mühen und Wege scheuen würden, um für das Wohl ihres Tieres zu sorgen.

Ein Tier zu halten, bedeutet Verantwortung übernehmen!

Sie schützen ihr Tier mit allen erdenklichen Mitteln zum Wohlergehen ihres geliebten Vierbeiners. Für mich fängt genau da Tierschutz an! Sich ein Tier anzuschaffen, bedeutet Verantwortung zu übernehmen und Sorge dafür zu tragen, dass es nicht leidet, wenn man Abhilfe schaffen kann. Das heißt, man verpflichtet sich zum Tierarzt zu gehen und es behandeln zu lassen, wenn Behandlungsbedarf besteht. Doch was, wenn es meinem Hund an einem Samstag oder Sonntagabend schlecht geht? Wenn der Hund in eine lebensbedrohliche Lage gerät, wie zum Beispiel eine Vergiftung oder einen Verkehrsunfall? Wen kann ich kontaktieren?

Wenn kein Tierarzt in Ansbach oder direkter Umgebung mehr offen hat, bleibt nichts anderes übrig, als den Hund ins Auto zu packen und in eine weiter entfernte Tierklinik, wie zum Beispiel Nürnberg zu fahren. Dort werden auch am Wochenende Not-Operationen durchgeführt. Eine viel nähere Anlaufstelle gibt es leider nicht, das bedeutet mindestens 40 Minuten Fahrt mit dem Auto. 40 Minuten, die das Tier Schmerzen erleidet und möglicherweise nicht überlebt.

Hund schwer verletzt – was tun?

Am vergangenen Wochenende (Samstag, 20 Uhr in Ansbach) wurde der Hund meiner Nachbarn angefahren. Der Unfallverursacher fuhr weiter, ohne sich nach dem verletzten Tier auch nur umzusehen. Es besteht zwar keine Meldepflicht bei der Polizei, allerdings komm es immerhin zu Bußgeldern, wenn man als Unfallverursacher den Unfallort mit einem verletzten, noch lebenden Tier verlässt ohne sich zu vergewissern, dass dem Tier angemessen geholfen wird. Denn dem TSchG 1. Abschnitt Grundsatz § 1 nach darf man einem Tier keine Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.

Ich war sofort an der Unfallstelle und musste mir unweigerlich die Frage stellen, was ich für den Hund tun könnte, da zu dieser Uhrzeit keine Notdienststelle für Tiere im Ansbacher Stadtgebiet mehr offen hatte. Die Notversorgung für Hunde (und auch andere Tiere) ist in Ansbach zu bestimmten Tages-, bzw. Nachtzeiten nicht gegeben. Die Besitzer des verletzten Tieres sowie zahlreiche Nachbarn, die zu Hilfe geeilt waren, blieben schockiert und hilflos an der Unfallstelle zurück.

Ich versuchte dem Tier zu helfen und auch den Besitzern, die Lage zu überblicken. Also prüfte ich Atem- und Herzfrequenz sowie die Schleimhäute an denen man relativ schnell erkennen kann, ob der Hundekörper genug Sauerstoff erhält. Leider waren alle Maßnahmen vergebens. Der Hund hatte gebrochene Hüften, höchstwahrscheinlich sehr schwere innere Verletzungen und kollabierte nur ca. 15 Minuten nach dem Zusammenstoß. Er verstarb noch am Unfallort. In diesem Fall hätte der Patient selbst die Fahrt zu einem ortsansässigen Tierarzt nicht überlebt. An dieser Stelle möchte ich allen Tierärzten danken, die wir erreicht haben, dass sie uns in dieser Situation über das Telefon, nach ihren Möglichkeiten, zur Seite standen.

Unterstützung in schweren Momenten – Erste Hilfe für Tierhalter

Ich kann sehr gut verstehen, warum es wenige Tierärzte gibt, die einen Notversorgungsdienst anbieten, allerdings empfinde ich es auch als zwingend notwendig, eine Unterstützung in solchen Fällen zu erhalten. Der Vorfall bewegte mich sehr, denn natürlich dachte ich auch darüber nach, wo ich Hilfe finden könnte, wenn mein eigener Hund betroffen wäre… Um zukünftig besser und effektiver helfen zu können, werde ich – nach Möglichkeit in enger Kooperation mit ortsansässigen Tierärzten – versuchen, einen Erste-Hilfe-Leitfaden und vielleicht sogar Erste-Hilfe-Kurse für Tierhalter zu initiieren, um Besitzern und Interessierten zu helfen, eine Situation wie die am vergangenen Samstag besser zu überschauen und schneller helfend eingreifen zu können.

Denn so ein Unfall muss nicht immer tödlich ausgehen. Erste-Hilfe-Maßnahmen können Tiere eventuell so lange stabilisieren, bis man eine Tierklinik erreicht. „Es geht nicht darum, ob sie denken oder sprechen können. Es geht einzig und allein darum, ob sie leiden können.“ – Jeremy Benthan

Anmerkung der Redaktion

Gastbeiträge geben nicht automatisch die Meinung der Redaktion wieder. Sie sollen zur Debatte anregen  – so wie auch jeder gute Kommentar auf Facebook. Wir geben deshalb allen unseren Lesern die Chance, ihre Meinung bei uns zu veröffentlichen und diese diskutieren zu lassen. Wir freuen uns über Gastbeiträge zu allen Themen an: redaktion@ansbachplus.de.

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