Über den Dächern Ansbachs. Foto: Larissa Noack
Über den Dächern Ansbachs. Foto: Larissa Noack

„Teilhabeatlas Deutschland“: So attraktiv ist Ansbach

Wie gut die Menschen in Deutschland am gesellschaftlichen Leben teilhaben können, hängt zu einem guten Teil davon ab, wo sie wohnen. „Besonders gut sind die Chancen in Baden-Württemberg, in Teilen Bayerns und im südlichen Hessen“, sagt Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung.

Drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung hängen die meisten ostdeutschen Regionen noch in vielen Bereichen zurück. In fast allen ländlichen Kreisen, aber auch in den meisten ostdeutschen Städten müssen die Menschen mit geringeren Teilhabechancen leben. Dieses Schicksal teilen sie aber mit den Bewohnern einiger westdeutscher Städte, vor allem im Ruhrgebiet, aber auch im Südwesten von Rheinland-Pfalz, im Saarland sowie in Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie des Berlin-Instituts und der Wüstenrot Stiftung – dem sogenannten „Teilhabeatlas Deutschland“.

Sechs Cluster

Die Studie teilt das Land (wiederum aufgeteilt nach Städten und Landkreisen) in sechs Cluster und zwar:

  • Reiche Großstadt oder Speckgürtel
  • Attraktive Großstadt
  • Großstadt mit Problemen
  • Erfolgreiche ländliche Region
  • Ländliche Region mit Problemen
  • „Abgehängte“ Region

Die Lage in Ansbach

Die Studie klassifiziert die Stadt Ansbach als „Attraktive Großstadt“ und den Landkreis als „Ländliche Region mit Problemen“ – beide fallen also in das jeweils mittlere Cluster für Stadt und Land.

Zu den attraktiven Großstädte gehören laut der Studie 51 überwiegend kreisfreie Städte oder Landkreise mit großen Kreisstädten. Dieses Cluster weise eine für die Städte und Ballungsgebiete typisch gute Versorgung auf. In diesen Städten gibt es laut Studie sehr viele Zuzüge, eine sehr gute Breitbandversorgung und eine sehr gute Nachversorgung. Für die Stadt Ansbach wurden folgende Daten erhoben:

  • der Anteil der Hartz-4-Empfänger an der Bevölkerung unter 65 Jahren liegt 2017 bei 8,24%
  • der Anteil der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss an allen Absolventen liegt 2017 bei 6,03%
  • der durchschnittliche jährliche Wanderungssaldo der 18- bis 29-Jährigen je 1.000 Einwohner liegt von 2013 bis 2017 bei 34,85
  • die kommunale Steuereinnahmekraft je Einwohner beträgt 2017 980,70 Euro
  • die Lebenserwartung von Neugeborenen für die Jahre 2013 bis 2015 liegt bei 79,58 Jahren
  • das jährliche verfügbare Haushaltseinkommen je Einwohner beträgt 2016 20.737 Euro

So geht’s dem Landkreis

Zum Vergleich gehören mit dem Landkreis Ansbach noch 132 andere Kreise zum Cluster 5. „Diese ländlichen Regionen können ihren Bewohnern nicht die gleiche Versorgung bieten, wie sie in den Städten vorhanden ist. Dennoch lassen sich mit Blick auf Cluster 5 aus der Analyse der sozialen und wirtschaftlichen Indikatoren keine flächendeckenden oder besonders alarmierenden Herausforderungen in Bezug auf die sozialen Teilhabechancen ableiten“, heißt es in der Studie wortwörtlich. Für den Landkreis Ansbach ergeben sich folgende Daten:

  • der Anteil der Hartz-4-Empfänger an der Bevölkerung unter 65 Jahren liegt 2017 bei 2,10%
  • der Anteil der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss an allen Absolventen liegt 2017 bei 6,73%
  • der durchschnittliche jährliche Wanderungssaldo der 18- bis 29-Jährigen je 1.000 Einwohner liegt von 2013 bis 2017 bei -0,25
  • die kommunale Steuereinnahmekraft je Einwohner beträgt 2017 858,44 Euro
  • die Lebenserwartung von Neugeborenen für die Jahre 2013 bis 2015 liegt bei 80,98 Jahren
  • das jährliche verfügbare Haushaltseinkommen je Einwohner beträgt 2016 22.629 Euro

Über den „Teilhabeatlas“

Die Studie untersucht, welche gesellschaftlichen Teilhabechancen die 401 deutschen Landkreise und kreisfreien Städte ihren Bewohnern bieten. Gemessen wurde die Teilhabe anhand einer Reihe von Indikatoren wie der Quote von Sozialleistungsempfängern, der Höhe der Einkommen, der Verfügbarkeit schneller Internetzugänge oder der Erreichbarkeit von Ärzten, Supermärkten und weiteren alltäglichen Dienstleistungen.

Im Ergebnis zerfällt die Republik in sechs Bereiche, die sich in ihren Rahmenbedingungen ähneln: drei städtische und drei ländliche „Cluster“ mit jeweils guten, mäßigen und geringeren Teilhabechancen. Die daraus erstellte Landkarte, eine Art „Teilhabeatlas“, zeigt, „wo die gut versorgten und wo im Extremfall die ‚abgehängten‘ Regionen Deutschlands liegen“, so Stefan Krämer, stellvertretender Geschäftsführer der Wüstenrot Stiftung. „Deutlich erkennbar wird, wie wichtig eine differenzierte, diese Unterschiede aufgreifende Handlungsstrategie ist, gerade auch in der Politik.“

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