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Brigitte Guggenberger, Leiterin des Frauenhauses und Heinz Kestler, Geschäftsführer des Caritasverband, beim gemeinsamen Pressegespräch. Foto: Nico Jahnel
Brigitte Guggenberger, Leiterin des Frauenhauses und Heinz Kestler, Geschäftsführer des Caritasverbands, beim gemeinsamen Pressegespräch. Foto: Nico Jahnel

Das Frauenhaus in Ansbach: Erste Hilfe bei häuslicher Gewalt

Im Jahre 2017 sind in Deutschland 147 Frauen an den Folgen von häuslicher Gewalt gestorben. Auch die Gewalttaten sind deutschlandweit von rund 120.800 im Jahr 2012 auf 140.000 im Jahr 2017 gestiegen. Von der Dunkelziffer ganz abgesehen, die „echten Zahlen“ sind ziemlich sicher noch viel höher. Aufgrund solcher Statistiken wurden Frauenhäuser ins Leben gerufen. Seit 1991 gibt es auch eines in Ansbach. Brigitte Guggenberger, Leiterin des Frauenhauses und Heinz Kestler, Geschäftsführer des Caritasverbands, erzählten im gemeinsamen Pressegespräch über die Arbeit des Frauenhauses und seine Notwendigkeit.

Fehlender Wohnraum in Ansbach

Das Ansbacher Frauenhaus ist eines von sechs in Mittelfranken. In den 28 Jahren seit der Eröffnung sind dort rund 2.200 Frauen und 2.500 Kinder ein- und ausgegangen. Frauen, die nicht nur physischer Gewalt in Form von schlagen oder treten, sondern auch psychischer Gewalt, also Beleidigungen und Drohungen, ausgesetzt waren. 2018 waren 56 Frauen und 51 Kinder im Frauenhaus in Ansbach. Das ergibt eine Auslastung von 102 Prozent. Zurzeit ist das Frauenhaus ebenfalls voll, was nicht gerade für eine Verbesserung des Problems, welches übrigens durch alle Schichten geht, spricht.

Es ist eigentlich vorgesehen, dass die Frauen höchstens sechs Monate im Frauenhaus verbringen. Eine Übergangslösung eben. Aufgrund der Wohnungsnot in Ansbach hat sich diese Zeit aber schon bei einigen Frauen verlängert. Allgemein ist die Wohnungssuche ein großes Problem. Entweder sind die Wohnungen zu teuer oder der zuständige Mieter hat ein Wörtchen dagegen, weil nicht alle Frauen arbeitstätig sind. Leute, die auf Arbeitslosengeld angewiesen sind, wirken wohl oft nicht attraktiv genug für eine eigene Wohnung. Auch deswegen will der Geschäftsführer des Caritasverbands, Heinz Kestler, dass sich private Mieter angesprochen fühlen, um den Frauen zu helfen und eine Chance auf geeigneten Wohnraum zu bieten.

Oft Ängste sich zu öffnen

Doch was passiert, wenn das Frauenhaus voll ist und sich eine Frau in einer gefährlichen Situation befindet? Brigitte Guggenberger leitet seit Mai letzten Jahres das Frauenhaus in Ansbach. Trotzdem ist es natürlich immer wieder eine schwere Nachricht zu übermitteln, wenn das Frauenhaus gerade voll ausgelastet ist. Gemeinsam mit der Betroffenen wird dann aber nach einer Lösung gesucht, denn bei Familie oder Freunden ist oftmals kein Platz. Man hegt engen Kontakt mit weiteren Frauenhäusern, in denen sich dann oftmals ein Platz finden lässt.

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Tatsächlich wissen viele Frauen nicht, dass sie einer Art Gewalt in den eigenen vier Wänden ausgesetzt sind. Realisieren sie dies aber, müssen sie natürlich nicht direkt ins Frauenhaus. Ist man einer hilflosen Situation ausgesetzt, kann man unter der Telefonnummer 0981/95959 immer jemanden erreichen und ein Beratungsgespräch führen, in der eine Lösung gesucht wird. Auch ein persönliches Gespräch ist möglich! Viele Betroffene haben Angst sich zu öffnen, reden nicht gerne über die Dinge, die Zuhause passieren und wollen andere nicht mit ihren Problemen belasten. Ein Gespräch mit einer vertrauten Person, sei es ein Familienmitglied, eine Freundin oder eben einem Mitarbeiter des Frauenhauses, kann eine große Hilfe sein.

Kompletter Neustart

Sollte nach dem Beratungsgespräch klar sein, dass sich die Situation Zuhause nicht verbessert und ein Schritt ins Frauenhaus erforderlich ist, ist dies ein kompletter Neustart. Häufig nicht nur für die Frau. Vor allem die kleineren Kinder begleiten ihre Mütter oft ins Frauenhaus. Die Entscheidung, ihr Kind aus dem gewohnten Umfeld zu reißen und manchmal sogar auf eine neue Schule schicken zu müssen, schreckt oft ab. Aber das Wohl der Mutter und der Kinder steht natürlich an erster Stelle.

Es ist eine Umstellung, da das Frauenhaus selbstverständlich nicht mit einer Wohnung zu vergleichen ist. Trotzdem soll der Tagesablauf so normal wie möglich sein. Tagsüber gehen die berufstätigen Frauen auf die Arbeit, kümmern sich um ihre Kinder, begeben sich auf Wohnungssuche, gehen einkaufen und kochen. Für die Kinder stehen tagsüber zwei Erzieherinnen zur Verfügung, die den Kindern beispielsweise bei den Hausaufgaben helfen oder mit ihnen sonstige Aktivitäten ausüben.

Vielseitige Unterstützung

Insgesamt arbeiten 28 Ehrenamtliche im Frauenhaus. Ohne diese wäre das Ganze gar nicht möglich. Es ist immer mindestens eine Person auf Rufbereitschaft, damit auch mitten in der Nacht jemand zur Stelle wäre. Diese Ehrenamtlichen arbeiten jährlich zusammen circa 6.500 Stunden. Das ergibt einen Workload von vier Vollzeitkräften.

Auch mit der Polizei wird in Form einer Interventionsstelle, die seit 2015 besteht, fest zusammengearbeitet. Rückt die Polizei bei einem Fall von häuslicher Gewalt aus, werden bei Einverständnis der Frau, die Kontaktdaten der Betroffenen an das Frauenhaus weitergeleitet, die sich dann in den nächsten drei Tagen mit ihr in Verbindung setzen. Ziel ist es, dass sich die Frauen öffnen können und über die Probleme Zuhause reden können. Über die Inhalte solch eines Gesprächs erfährt natürlich niemand etwas. Im Jahr 2018 gab es ganze 115 Meldungen, nur durch die Ansbacher Polizei, die an das Frauenhaus weitergegeben wurden.

Für jede Betroffene ist das Anvertrauen ihrer Erfahrungen ein großer und schwieriger Schritt. Ein Beratungsgespräch kann schon Wunder bewirken, weil Lösungen aufgezeigt werden, die der Frau entweder noch nicht klar waren oder vom Mann strikt ausgesprochen wurden. Jeder Betroffenen von häuslicher Gewalt wird geholfen, egal wie.

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