Symbolfoto Verbindung. Foto: Pascal Höfig, Prospega
Symbolfoto Verbindung. Foto: Pascal Höfig

NGG warnt vor Tarifflucht: Appell an die 1.400 Betriebe der Stadt

Schlechtere Bezahlung, längere Arbeitszeiten, weniger Urlaub: Beschäftigte, die in Ansbach in einem Unternehmen arbeiten, in dem kein Tarifvertrag gilt, seien im Job klar benachteiligt. Darauf hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten in einer Pressemitteilung hingewiesen. Nach Einschätzung der NGG halten sich mittlerweile viele der rund 1.400 Betriebe in der Stadt nicht mehr an Tarifverträge. Das habe auch Folgen für die Unternehmen selbst, warnt Gewerkschafterin Regina Schleser: „Tariflose Firmen haben in puncto Motivation und Produktivität der Mitarbeiter meist schlechtere Karten. Auch die Suche nach Fachkräften fällt ihnen schwerer“, so die Geschäftsführerin der NGG Nürnberg-Fürth mit Blick auf aktuelle Studien der Hans-Böckler-Stiftung.

Schleser ruft die Firmen in der Region dazu auf, sich zur Sozialpartnerschaft und zur Mitbestimmung zu bekennen. „Gerade beim digitalen Wandel der Arbeitsplätze muss man die Belegschaften mitnehmen. Gewerkschaften und Betriebsräte sichern nicht nur Jobs. Sie helfen auch dabei, die Zukunft zu gestalten – von neuen Arbeitszeitmodellen bis hin zur Weiterbildung der Mitarbeiter.“

56 Prozent arbeiten in Bayern nach Tarifvertrag

Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) arbeiteten zuletzt 56 Prozent der Beschäftigten in Bayern in einem Betrieb mit Tarifvertrag, so die Pressemitteilung der NGG. In ganz Westdeutschland liege die Quote bei 57 Prozent – im Jahr 2000 seien es noch 70 Prozent gewesen. Nach Beobachtung von Gewerkschafterin Schleser greife die „Tarifflucht“ auch in Ansbach um sich: „Immer mehr Betriebe versuchen, sich um Tarifverträge zu drücken. Damit setzen sie bewährte Standards aufs Spiel und bieten ein Einfallstor für Dumping-Konkurrenz.“ Besonders niedrig sei die Tarifbindung nach Angaben des IAB dabei in kleinen Firmen: Nur 17 Prozent der bayerischen Betriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern hielten sich aktuell an einen Tarifvertrag. In Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten liege die Quote hingegen bei 77 Prozent.

NGG macht sich für Flächentarifverträge stark

Um diesen Trend zu stoppen, macht sich die NGG insbesondere für Flächentarifverträge stark. Solche habe man etwa in Brauereien, in der Getränkeabfüllung und in der Nährmittel- und Süßwarenindustrie durchgesetzt. Zugleich sei die Politik gefordert. Landes- und Bundesregierung sollten sich für eine höhere Tarifbindung einsetzen: „Wer sich um die Zukunft der sozialen Marktwirtschaft sorgt, muss sich darum kümmern, dass die Tarifpartner gestärkt werden“, sagt Schleser. Unternehmen, die im Arbeitgeberverband seien, müssten dazu verpflichtet werden, sich an Tarifabschlüsse zu halten. Außerdem müsse es einfacher werden, Tarifverträge für ganze Branchen verpflichtend zu machen. Davon profitiere am Ende auch der Staat – durch höhere Einnahmen etwa bei der Renten-, Kranken- und Sozialversicherung.
Gewerkschaft Nahrung- Genuss-Gaststätten Region Nürnberg-Fürth

Allerdings ist die Zahl der Tarifverträge, die für alle Betriebe einer Branche per Gesetz gelten, zuletzt stark gesunken. Eine so genannte Allgemeinverbindlichkeit wurde im Jahr 2017 lediglich 25 Mal vom Bundesarbeitsministerium erteilt. Im Jahr 2000 waren es noch 133 Fälle. Das geht aus einer aktuellen Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervor (Bundestags-Drucksache 19/8626).

Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Gewerkschaft Nahrung-Gaststätten-Genuss. 

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