"Giftköder"-Posting des Bratwurst-Glöckle – mittlerweile wurde der Beitrag auf Facebook gelöscht. Screenshot: Facebook I Bratwurst-Glöckle
"Giftköder"-Posting des Bratwurst-Glöckle – mittlerweile wurde der Beitrag auf Facebook gelöscht. Screenshot: Facebook I Bratwurst-Glöckle

Shitstorm um Bratwurst-Glöckle: Giftköder-Androhung in Facebook-Post

Update 09. April 2019, 08.43 Uhr: Allem Anschein nach wurde die Facebook-Seite des Lokals offline genommen. Die Betreiber gestehen den Fehler ein und entschuldigen sich vielmals für den Post – er wäre unüberlegt aus Ärger entstanden und keinesfalls so gemeint gewesen. Die vollständige Entschuldigung im Wortlaut: 

„Liebe Besucher, auf unserer Facebook-Seite wurde gestern für kurze Zeit ein Beitrag von mir veröffentlicht, dass Hunde ihr Geschäft vor unseren Eingängen hinterlassen. Dieser Beitrag wurde vielmals von unseren Facebook-Nutzern kommentiert. 

Der Beitrag war eigentlich nicht gegen Hunde, sondern gegen ihre unverantwortlichen Halter gerichtet, da wir unseren Gästen gerne unsere Speisen in einer angenehmen Atmosphäre bieten möchten. 

Mein Ärgernis darüber habe ich sicherlich sehr unüberlegt ausgedrückt. Wer unser Speiserestaurant kennt, weiß, dass mitgebrachten Hunden gerne Wasser geben und auch auf die Wünsche von Kindern eingehen. Der Post hätte eigentlich ein Appell an die Verantwortlichkeit von Hundehaltern sein sollen.“ 

 

Im Laufe des heutigen Montags, den 8. April 2019, erreichten unsere Redaktion mehrere Nachrichten unserer Leser – Inhalt: Screenshots eines Facebook-Postings vom Gasthaus „Bratwurst-Glöckle“ in Ansbach mit folgendem wortwörtlichen Text:„Bei uns wird offt (sic!) an der Gaststätte Hundekott (sic!) hinterlassen, ab sofort werde ich Gift an meinen Eingängen anbringen“. Darunter der geballte Ärger vieler User, laut eines Ansbach plus-Fans waren es rund 300 verärgerte Kommentare. Daraufhin sei das Posting wieder gelöscht worden – und tatsächlich war es heute morgen nicht mehr sichtbar. Dafür aber viele Screenshots der Nachricht, die im Vorhinein von aufgebrachten Usern gemacht wurden.

Hitzige Diskussionen in sozialem Netzwerk

Die User lassen auf der Facebook-Seite und auch auf Bewertungsportalen, wie etwa Tripadvisor, ihrem Ärger über diesen Text freien Lauf. In den Facebook-Bewertungen des Restaurants heißt es z.B. von Userin Monika: „Offenbar wurde gedroht Köder auszulegen. Das geht ja wohl gar nicht!!“ Damit gehört sie noch zu den zurückhaltenderen Kommentatoren. Auch in den weiteren Beiträgen der Facebook-Seite dreht sich alles um den „Giftköder“-Post. Unter ursprünglich geteilten Fotos eines Gerichtes, heißt es u.a. „Hunde vergiften? Ganz schnell zumachen!“

Auch der Seitenbetreiber reagiert nicht gerade zurückhaltend. Unter eben jenem Beitrag wurde von Seiten des Bratwurst-Glöckle auf den Kommentar „Wer Gift für Tiere versprühen möchte darf keine Empfehlung bekommen, der muss Pleite gehen“ mit „Ich habe nur gesagt das ich das ich das (sic!) in Erwägung ziehen würde. Du blöde Kuh“ geantwortet. Wohl in Reaktion auf das Posting kamen allerdings auch themenfremde, potentiell rufschädigende Kommentare, wie etwa: „Achtung!!! Salmonellen Gefahr! Das Essen soll da wohl nicht ganz sauber sein.. Hab ich schon von einigen gehört..“ – und das von einem Account, der laut eigenen Angaben aus Bremen stammt. Die Diskussion zieht ihre Kreise also über das ursprüngliche Posting hinaus. (Anmerkung der Redaktion 14 Uhr: Eine Vielzahl der Kommentare wurde inzwischen vom Seitenbetreiber entfernt.)

Das Bratwurst-Glöckle in Ansbach. Foto: Nico Jahnel

Das Bratwurst-Glöckle in Ansbach. Foto: Nico Jahnel

Facebook-Seite und Privat-Profil angeblich gehackt

Derweil steht noch eine weitere Behauptung im Raum. Laut einigen Kommentaren sowie einer Bewertung auf der Seite, soll der Account des Restaurants gehackt worden sein. So heißt es in einer Bewertung: „Sowohl die Seite des Restaurants als auch die des Besitzers wurden gehacked, welches (mehr oder weniger erfolgreich) zu einem „Shitstorm“ geführt hat. Mit großen, leckeren Portionen, einer gastfreundlichen Atmosphäre und einer stets durchgehend freundlichen Bedienung, bleibt das Bratwurst-Glöckle eines der besten Restaurants in Ansbach!  P.S.: auch für vierbeinige Gäste hat die Chefin immer ein Schälchen Wasser und ein paar Leckereien parat.“ (Anmerkung der Redaktion 13.47 Uhr: Mittlerweile lassen sich die Bewertungen der Seite nicht mehr einsehen.)

Der Ursprungsbeitrag wurde zudem auch auf einem privaten Profil mit dem Namen Klaus Dieter Heumann geteilt. Aufgrund des Namens gehört dieses mutmaßlich dem Besitzer des Lokals. Unsere Redaktion hat beim Lokal um ein Statement zu dem Vorfall gebeten, bis dato allerdings keine Rückmeldung erhalten. Auf der eigenen Facebook-Seite ist allerdings nun eine ausführliche Stellungnahme mit einer Entschuldigung zu lesen:

Die Reaktionen unter dem Posting sind gemischt. Viele nehmen die Entschuldigung an und zeigen Verständnis für die Reaktion, andere wiederum reagieren weiterhin gereizt und können die Formulierung nicht nachvollziehen.

Polizei führte „eindringliches Gespräch“ mit Gastronomen

Unterdessen veröffentlichte die Polizeiinspektion Ansbach auch eine Pressemitteilung zu dem Vorfall. „Am gestrigen Sonntag gegen 20.00 Uhr postete ein 54-jähriger Gastronom auf der Facebook-Seite der Gastwirtschaft, dass er zukünftig aufgrund entsprechender zahlreicher Hinterlassenschaften von Hunden vor seiner Gaststätte in der Innenstadt Gift an den Eingängen anbringen wird. Der Eintrag wurde binnen kürzester Zeit über 100mal geteilt, außerdem wurden zahlreiche wütende Kommentare gepostet. Nachdem die Polizei Ansbach davon erfuhr, nahm diese Kontakt mit dem Gastronom auf und führte mit ihm ein eindringliches Gespräch mit dem Ziel, dass er seiner Drohung keine Taten folgen lässt.

In diesem Zusammenhang wird darauf hingewiesen, dass Hundekot immer wieder zu Beschwerden führt und jeder Hundebesitzer im Sinne eines guten gemeinschaftlichen Miteinanders die Hinterlassenschaften seines Vierbeiners grundsätzlich zu beseitigen hat.

Auf Nachfrage der Redaktion, ob ein Zusammenhang mit einem Hack der Seite in dem Gespräch aufgeführt wurde, erhielten wir folgende Antwort: „Der Polizei Ansbach wurde weder bei dem Telefonat, das mit dem Gastwirt am Abend bezüglich des Eintrages geführt wurde, noch jetzt im Nachgang angezeigt, dass der Facebook-Account des betroffenen innerstädtischen Gastronomiebetriebes gehackt worden sein soll. Die Löschung des Eintrages erfolgte nach der eingehenden Belehrung des Gastwirts.“ Die Bewertung könne von der Polizei demnach nicht bestätigt werden.

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