Die Gartenpiraten Ansbach mit Unterstützer Wolfgang Hedel. Foto: Die Gartenpiraten
Die Gartenpiraten Ansbach mit Unterstützer Wolfgang Hedel. Foto: Die Gartenpiraten

Die Gartenpiraten: Mehr als nur Gärtnern

In Ansbach sind die Gartenpiraten schon lange kein Fremdbegriff mehr. Wer sich näher mit dem Thema befasst, wird aber feststellen, dass es bei dem Projekt um viel mehr geht als Gärtnern. Denn auch Themen, wie die Natur und das soziale Umfeld, sowie gesunde Ernährung und Lebensmittel, spielen eine wichtige Rolle. Wir haben Michaela Matshikiza, einem Mitglied der Gartenpiraten, einige Fragen gestellt, um mehr über das Projekt herauszufinden. Der nächste öffentliche Termin der Gartenpiraten wird übrigens am Samstag, den 17. November um 15 Uhr sein, an dem Obstbäume und Sträucher gepflanzt werden.

Die Anfänge

Wie kam das Projekt zustande?

Nach dem positiven Votum des Umweltausschusses 2014, in Ansbach ein Pilotprojekt „Städtisches Gärtnern“ zu unterstützen, setzten interessierte Bürger und die Stadtverwaltung das Projekt um. Es war von Beginn an eine lose Gruppe Interessierter, die sich über Kennenlern-Termine und Berichterstattung in der örtlichen Presse fand. Als Standort wurde der Parkplatz und Garten des Retti-Palais ausgewählt, um die Brachfläche zu beleben und in das Bewusstsein der Ansbacher zurückzurufen. Mitten in der Stadt keimte eine grüne Oase, die von den verschiedensten Menschen gestaltet wurde – ohne Schließzeiten oder Ausschlusskriterien. Das Projekt wurde erfolgreich mit städtischer Unterstützung über vier Jahre betrieben und der Gedanke des Urban Gardening ist nun auch in Ansbach kein Fremdwort mehr. Das Ziel, Bewusstsein für den öffentlichen Raum, das gemeinsame Gärtnern, den sozialen Austausch und Nachbarschaftsprojekte zu wecken, war erreicht. So meldete sich auch nach dem Bekanntwerden des Verkaufs der Fläche – was das Ende des Standorts bedeutete – der Unternehmer Wolfgang Hedel. Seit April 2018 gärtnern wir nun auf dem Gelände der Firma Glacryl zwischen der Naumannstraße 4 und der Endresstraße.

Wann wurde das Projekt ins Leben gerufen?

2014 bzw. am neuen Standort 2018.

Was sind die genauen Ziele des Projekts?

In einem öffentlich-zugänglichen Gemeinschaftsgarten kann man Gärtnern (lernen), sich mit Themen wie gesunde Ernährung, Nah-Versorgung mit regionalen, gesunden, biologischen, gentechnikfreien und saisonalen Lebensmitteln auseinandersetzen. Durch die Verschönerung der Stadt und die Nutzung von Brachflächen soll das Bewusstsein für das eigene Umfeld und somit die Identifikation der Gärtner und Garten-Besucher mit Ansbach gefördert werden.

Wie kam es zu dem Namen Gartenpiraten?

Der Name ist das Ergebnis einer online Abstimmung im Juli 2014 zur Namensgebung des Garten-Projekts, bei der alle am Projektinteressierten teilnehmen konnten.

Ein Projekt mit Zukunft

Was hat es mit Ihrem „Gemeinschaftsgarten” auf sich? Was wird eigentlich angebaut?

Wir verstehen uns als ein generationenübergreifendes und interkulturelles Gemeinschaftsprojekt, für Menschen mit viel und wenig Zeit, Wissen oder Kraft. Denn man teilt sich die Arbeit und die Verantwortung, lernt nebenbei noch etwas über die Natur, sein soziales Umfeld und die Stadt in der man lebt. Angebaut werden kann alles was in unserer Region gut wächst. Gemüse, aber auch Blumen und andere Pflanzen, die für Insekten unterstützend sind. Bei uns dürfen auch Brennensseln wachsen. Diese Saison haben wir u.a. Kürbisse, Zucchini, Tomaten, Topinambur, Kräuter, Kartoffeln, verschiedene Getreidesorten und Bohnen angebaut. Demnächst werden Obstbäume und Beerensträucher gepflanzt.

Ein Fokus liegt auf der Arbeit von und mit Kindern. Das Verständnis für die Natur, das aktive Wirken in dieser und natürlich auch das Genießen der Früchte machen den Garten zu einem Erfahrungsraum für alle Sinne. Wir beackern die gesamte Fläche, in Hügelbeet oder direkt im Boden. Wobei sich letzteres als etwas mühsam herausgestellt hat, da viele Steine im Boden liegen. Wir werden deshalb zukünftig mehr mit Hügelbeeten arbeiten. Was angebaut wird, entwickelt sich innerhalb der Gruppe der Macher und Aktiven und kann sich von Saison zu Saison ändern. Wir lernen stetig dazu – auch von Unterstützern, die uns mit Ihrem Know-how beistehen – gerade das Thema Permakultur interessiert uns.

Was muss man tun, um Teil des Projekts zu sein?

Gerne kann die Fläche jederzeit besichtigt werden. Sie ist öffentlich zugänglich. Am besten nimmt man vor dem Start ins Gartenglück mit uns Kontakt auf. Das Konzept ist recht offen und locker und ein Anspruch auf einen bestimmten Ernteertrag gibt es nicht. Alles kann von jedem – auch Nichtgärtnern – geerntet werden. Uns geht es um das Ausprobieren, Lernen und Miteinander. Wer dabei mitmachen möchte, kann dies ohne weitere Formalien. Eine Beschilderung von Angepflanztem und Ausgesääten ist dabei hilfreich um „Doppelbelegungen“ zu vermeiden. Bei Interesse oder Fragen bitte melden unter 0176-62649331 oder info@angruenen.de. Das Urban Gardening Projekt der Gartenpiraten befindet sich zwischen Naumannstr. 4 und Endresstraße. Der Zugang erfolgt über die Endresstraße – gegenüber der Bushaltestelle „Endresstraße“ – die Treppe hoch direkt in den Garten. Bitte nicht auf dem Parkplatz der Firma Glacryl parken.

Welche Erfolge habt Ihr durch das Projekt schon feiern können?

Die anfängliche Skepsis gegenüber einem so offenen Projekt hat sich gewandelt in eine allgemeine Akzeptanz dieser Art des Gärtnerns. Das Bewusstsein für das Grün in unserer Stadt, nachhaltiges Leben und Handeln steigen generell und wir sind ein Teil dieses Prozesses. In diesem Sinne möchten wir weiterarbeiten und sind offen für neue Ideen und Mitmacher.

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