Radfahren in der Fußgängerzone – seit September in Ansbach erlaubt. Foto: Nico Jahnel
Radfahren in der Fußgängerzone – seit September in Ansbach erlaubt. Foto: Nico Jahnel

Bürgerbegehren, Demo & Co.: Diskussion um Radfahren in der Fußgängerzone

Seit rund zwei Monaten darf in der gesamten Ansbacher Fußgängerzone Rad gefahren werden – in angepasster Geschwindigkeit und mit Rücksicht auf die Fußgänger. Das Radfahrer-Verbot im nördlichen Bereich der Innenstadt wurde auf einen Antrag der ÖDP und der BAP Ansbach* hin im Stadtrat für ein Jahr ausgesetzt, sozusagen auf Probe. Dann soll auf Basis der Erfahrungen eine dauerhafte Entscheidung getroffen werden. Alle im Stadtrat vertretenen Parteien mit Ausnahme der CSU haben dem diesjährigen Antrag von BAP und ÖDP zugestimmt.

Ergänzend erklärt Dr. Bernhard Schmid von den Grünen: „Die Ansbacher Grünen haben das „Radfahrer frei“ in der gesamten Fußgängerzone (außer im Marktbetrieb) schon lange auf der Agenda und haben dazu auch immer wieder Gespräche mit CARINA, ADFC und den anderen Parteien geführt. Allerdings zeichnete sich in den vergangenen Jahren im Stadtrat keine Mehrheit dafür ab. Über den Stimmungsumschwung haben wir uns sehr gefreut!“

Bürgerbegehren seit 22. September

Doch es hat nicht lange gedauert, da regte sich Widerstand. Die CSU Ansbach startete das Bürgerbegehren „Kein Fahrradverkehr in der Fußgängerzone von 10 bis 18 Uhr“ am 22. September. Laut einem Bericht der FLZ hält die CSU die Einhaltung der Schrittgeschwindigkeit für die Radfahrer für „unrealistisch“. Durch die Unterschriftensammlung werde ein Bürgerentscheid angestrebt, dafür müssten laut FLZ 2.500 Unterschriften von Wahlberechtigten gesammelt werden. An Infoständen und über Listen und Flyer z.B. in Läden wurden bisher Unterschriften gesammelt. Wir haben bei der CSU Ansbach, bei Carina e.V., die kürzlich die Demo für die Öffnung der Fußgängerzone mit veranstalteten, bei der Stadt Ansbach und beim Citymarketing um Statements zu den jeweiligen Standpunkten gebeten. Die CSU Ansbach und das Citymarketing haben sich bisher noch nicht auf unsere Anfrage hin geäußert – die Statements der Stadt und von Carina e.V.:

Stadt Ansbach: „Explizite zeitliche Begrenzung auf ein Jahr“

Der Verkehrsausschuss des Ansbacher Stadtrates hat die Öffnung der Fußgängerzone für Fahrradfahrer beschlossen. Im Beschluss des Verkehrsausschusses wurde explizit die zeitliche Begrenzung auf ein Jahr gefasst, um nach diesem Probelauf die Erfahrungen auswerten zu können und im Gremium nochmals neu entschieden zu werden. Begleitet wurde die Öffnung mit einer umfangreichen Informationskampagne von der Stadt Ansbach und den Befürwortern.

Ob und wann ein Bürgerentscheid stattfindet, können wir nicht beantworten, da der Stadt Ansbach die entsprechenden Unterlagen bzw. Unterschriftenlisten noch nicht übergeben wurden, um diese zu prüfen. Die Kosten für einen Bürgerentscheid liegen bei rund 100.000 Euro„, so fasst die Stadt Ansbach die Situation zusammen und bezieht sich auf Nachfrage auch auf den angestrebten Bürgerentscheid.

CARINA e.V.: Für ein respektvolles Miteinander in der Fußgängerzone

Sigrid Strobel, Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins CARINA e.V. äußerte sich im Zuge der Demonstration am 26. Oktober für eine „Miteinanderzone“: „Wir setzen uns für Fußgänger, Radfahrer, CarSharing und einen besseren ÖPNV in Ansbach ein. Wir alle wollen selbst rücksichtsvolles Verhalten erleben. Das ist berechtigt und wichtig! Natürlich muss ein Radfahrer mit viel Abstand und angepasstem Tempo um Fußgänger herumfahren, und bei Bedarf auch absteigen. Deshalb reden wir von einer Kultur, einer Kultur des Miteinanders.

Studie zeige positive Auswirkungen

Studien belegen eindeutig die Vorteile einer geöffneten Fußgängerzone! Diese Studien sind übrigens im Verkehrsministerium des Bundes unter dem ehemaligen CSU-Verkehrsminister Alexander Dobrindt entstanden! Zwei Argumente führe ich hier aus: Die Studien der FH Erfurt von 2018, also hochaktuell, zeigen:

Positive Auswirkungen auf den Einzelhandel – Warum wollen Radfahrer in die Innenstadt? Na, um einzukaufen. „Radfahrende Kunden haben einen geringeren Tagesumsatz als mit dem PKW anreisende Kunden. Sie gleichen dies jedoch durch eine höhere Besuchshäufigkeit wieder aus.“ Der Jahresumsatz ist höher!

Wir fordern die Stadt und die Polizei auf, die angepasste Geschwindigkeit zu überwachen. Andere Städte tun dies. Eine Politesse, ein Polizist darf sehr wohl einen Radfahrer anhalten und eine Strafe verhängen, wenn er offensichtlich zu schnell fährt. Manche Raser lernen nur über den Geldbeutel. Noch einmal deutlich: Wir wollen keine Raser oder Rüpel! Die gibt es leider, die gab´s aber auch schon, als die Fußgängerzone gesperrt war.

Die Studie zeigt außerdem: Das gute Miteinander nimmt zu. Radfahrer reagieren auf Fußgänger. Bei hoher Fußgängerdichte fahren sie langsamer und steigen ab. Dieses vorbildhafte Verhalten wirkt auf die anderen Radfahrer. Sie passen sich an.

„Wir brauchen Zeit, um Erfahrungen zu sammeln“

Zwei Wochen war die Fußgängerzone offen, dann gab es schon ein Bürgerbegehren dagegen. Das ist Unsinn. Wir brauchen ein Jahr Probeöffnung, ein Jahr Zeit, um Erfahrungen zu sammeln, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Statt übereinander zu reden. Nach dem Jahr Probezeit werden wir ausführlich darüber reden; auch der Stadtrat.“

Diskussion in der Community

Auch auf unseren Seiten herrscht eine rege Diskussion zum Thema. „In etlichen Städten Deutschlands ist das Gang und Gebe. Und es funktioniert! Umdenken, darauf einlassen und (ALLE Seiten) Rücksicht nehmen!“, schreibt beispielsweise User Lusi und Franz meint: „Und Sie wundern sich warum die Altstadt tot ist. Erlangen ist ’ne Fahrrad Stadt, da ist die Fußgänger Zone brechend voll – Fußgänger und Radfahrer.“ Wiederum Gegenstimmen wie Userin Christa schreiben: „Ich finde es heißt nicht umsonst Fußgängerzone, die können doch ihr Fahrrad schieben.“ Viele, so auch Kommentatorin Manuela, scheinen sich Gedanken über die Rücksicht aller Parteien zu machen: „Also ich finde es nicht gut, dass jetzt die Fahrräder durch die Fußgängerzone dürfen. Habe schon mehrmals gesehen, dass ein Kind fast umgefahren wurde, obwohl es damals nur für Fußgänger war.“

*Update 08. November 2018, 21.10 Uhr: Dieser Artikel wurde von unserer Redaktion im Nachgang der Veröffentlichung upgedatet – leider hatte sich ein Fehler unserseits eingeschlichen: Der Antrag über die Öffnung der Fußgängerzone für Radfahrer wurde nicht von den Grünen eingereicht, sondern von ÖDP und BAP Ansbach. Wir bitten um Entschuldigung für dieses Missverständnis. 

- ANZEIGE -

AUCH INTERESSANT