Mehr Zeit für die Familie soll das Teilzeitgesetz bringen. Foto: NGG Region Nürnberg Fürth
Mehr Zeit für die Familie soll das Teilzeitgesetz bringen. Foto: NGG Region Nürnberg Fürth

30 Prozent der Ansbacher Beschäftigten profitieren nicht vom Teilzeit-Gesetz

Mal etwas weniger arbeiten, um Zeit für Kinder, Angehörige oder auch sich selbst zu haben – danach aber wieder voll in den Beruf einsteigen: Für Tausende Ansbacher Beschäftigte soll das ab 2019 per Gesetz möglich sein. Tatsächlich dürften jedoch 9.100 Arbeitnehmer in der Stadt nicht vom sogenannten Rückkehrrecht in Vollzeit profitieren – weil ihr Betrieb weniger als 45 Mitarbeiter hat. „Das sind 30 Prozent aller Beschäftigten, an denen das Gesetz komplett vorbeigeht“, kritisiert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten Nürnberg-Fürth.

Die NGG beruft sich dabei auf aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Ein Großteil der Beschäftigten in Bäckereien und Metzgereien dürfte danach nichts von der geplanten Brückenteilzeit haben. Im Gastgewerbe wären laut Statistik in Ansbach sogar 88 Prozent des Personals vom Gesetz ausgenommen.

Idee gehe in richtige Richtung

Auf die Untergrenze von 45 Beschäftigten hatte sich die Große Koalition verständigt. Die Unionsparteien setzten sich in diesem Punkt gegen die SPD durch. Das Gesetz soll noch im Oktober den Bundestag passieren. „In den vielen Kleinbetrieben im Handwerk und in der Gastronomie ist die Teilzeit-Novelle damit reine Makulatur“, sagt NGG-Geschäftsführerin Regina Schleser. Sie ruft die heimischen Bundestagsabgeordneten dazu auf, sich in Berlin für Änderungen am Gesetz stark zu machen. „Die Einschränkung für kleine Betriebe muss wegfallen“, so Schleser. Denn die Idee der Reform gehe in die richtige Richtung: „Tausende wünschen sich mehr Souveränität bei der Arbeitszeit.“

Teilzeitbeschäftigung in letzten Jahren gestiegen

Hinzu kommt: Rund 11.400 Beschäftigte in Ansbach arbeiten bereits jetzt in Teilzeit. Nach Angaben der Arbeitsagentur ist ihre Zahl in den letzten zehn Jahren um 23 Prozent gestiegen. „Diesen Menschen bringt das Gesetz auch keine Verbesserungen“, bemängelt Schleser. Denn einen Anspruch auf eine Vollzeit-Stelle habe nach den Plänen der GroKo nur, wer vorher schon einmal in Vollzeit gearbeitet hat. Das sei aber in vielen Branchen die Ausnahme. So liegt die Teilzeitquote hier laut Statistik bei 37 Prozent. In Hotels, Pensionen und Restaurants ist der Anteil mit 74 Prozent besonders hoch.
Nach Einschätzung der NGG hilft das Gesetz auch kaum gegen Altersarmut, von der Frauen besonders häufig betroffen sind. „Denn Frauen arbeiten überdurchschnittlich oft in Kleinbetrieben – oder haben seit vielen Jahren nur einen Halbtagsjob“, so Schleser.
Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten Nürnberg-Fürth.
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