Löwenmann King Tonga und sein Freund Martin Lacey jr. im Circus Krone. Foto: Dirk Candidus
Löwenmann King Tonga und sein Freund Martin Lacey jr. im Circus Krone. Foto: Dirk Candidus

Gastbeitrag: Tiere gehören zum Zirkus!

Bei diesem Gastbeitrag handelt es sich um einen offenen Brief des Aktionsbündnisses „Tiere gehören zum Circus“ als Stellungnahme zum Antrag der Stadtratsfraktion der „Offenen Linke Ansbach“ für ein kommunales Wildtierverbot für Zirkusbetriebe in der Rezatstadt.

Erhalt des Kulturguts

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Seidel, als Zusammenschluss ehrenamtlich tätiger Zirkusfreunde setzen wir uns für den Erhalt des Kulturguts „Klassischer Zirkus“ auf der Basis von modernen Standards guter Tierhaltung ein. Mit diesem Brief möchten wir zum Antrag für ein kommunales Wildtierverbot in Ansbach Stellung beziehen.

Da uns der konkrete Antragstext nicht vorliegt, haben wir uns an den Aussagen des Musterantrags orientiert, den die Organisation PETA im Internet anbietet und der den meisten Antragstellern als Vorlage dient (Punkte 1 bis 5).

Danach gehen wir noch auf ein weiteres Argument ein, das zwar im Musterantrag nicht vorkommt, aber dennoch häufig angeführt wird (Punkt 6). Den Abschluss bildet eine Überlegung, die die Verfechter kommunaler Wildtierverbote regelmäßig übersehen (Punkt 7).

Elefant des Zirkus Charles Knie auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart. Foto: Dirk Candidus

Elefant des Zirkus Charles Knie auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart. Foto: Dirk Candidus

1) „Wildtiere können in reisenden Zirkusunternehmen nicht tiergerecht gehalten werden.“

Die Begründung des PETA-Musterantrags beginnt mit der Behauptung, Wildtiere könnten in reisenden Zirkusunternehmen nicht tiergerecht gehalten werden. Genau diese Frage war bereits im Jahr 2015 Gegenstand eines Gutachtens des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestags. Das Ergebnis war eindeutig:

„Trotz umfassender Recherche konnten keine unabhängige Studien gefunden werden, die belegen, dass es sich bei der Haltung von ,,Wildtieren“ im Zirkus nicht nur in Einzelfällen um Tierquälerei handelt bzw. das Wohl der Tiere beeinträchtigt ist.“

Quelle: Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestags (24. 09. 2015): Sachstand „Wildtierhaltung im Zirkus“, Aktenzeichen: WD 5 – 3000 – 123/25.

Tigerdressur im Circus Manuel Weisheit. Foto: Dirk Candidus

Tigerdressur im Circus Manuel Weisheit. Foto: Dirk Candidus

Für eine systemimmanente Quälerei von Wildtieren im Zirkus, wie sie im Musterantrag unterstellt wird, existieren also keine Belege. Dagegen sind fast alle Wissenschaftler, die sich aufgrund von Vor-Ort-Untersuchungen mit dem Thema beschäftigt haben, zu dem Schluss gekommen, dass eine tiergerechte Unterbringung von Wildtieren in einem reisenden Zirkus sehr wohl möglich ist und in modernen, verantwortungsvollen Unternehmen auch praktiziert wird. Das Training in der Manege habe eine stimulierende Wirkung auf die Tiere und fördere deren körperliche und geistige Fitness.

Eine Zusammenstellung dieser Studien finden Sie auf unserer Homepage unter „Forschung“.

Folgerichtig wurden von den drei Bundesratsinitiativen für ein bundesweites Wildtierverbot zwei Anläufe bereits mit breiter Mehrheit des Bundestages abgelehnt. 2016 wurde ein dritter Anlauf initiiert, ohne dass sich die Faktenlage seither geändert hätte.

Nashornbulle Tsavo und Martin Lacey jr. im Circus Krone. Foto: Dirk Candidus

Nashornbulle Tsavo und Martin Lacey jr. im Circus Krone. Foto: Dirk Candidus

2) Hälfte aller amtstierärztlichen Kontrollen mit Beanstandungen

Auf der Grundlage bundeseinheitlicher Regelungen finden in jedem Gastspielort Kontrollen durch die Veterinärämter statt. Als Hilfsmittel dienen dabei die Tierbestandsbücher der Tierhalter und das Zirkuszentralregister, ein Online-Verzeichnis. Das macht den Zirkus zum meist kontrollierten Tierhaltungsbetrieb Deutschlands. Doch auch hinsichtlich der Kontrollergebnisse werden im PETA- Musterantrag problematische Behauptungen aufgestellt.

So heißt es: „Die Bundesregierung teilte 2014 mit, dass im zuletzt erfassten Berichtsjahr 2011 insgesamt 895 amtstierärztliche Kontrollen in Zirkusbetrieben durchgeführt wurden. Dabei stellten die Veterinäre 409 Verstöße gegen die Haltungsanforderungen für Tiere fest – also bei fast jeder zweiten Kontrolle.“

Die Aussage der Bundesregierung wird zwar korrekt wiedergegeben, basiert jedoch auf dem Zirkuszentralregister als einziger Datenquelle. Dieses Register soll dazu dienen, Änderungen im Tierbestand und ggf. auftretende Beanstandungen zentral zu dokumentieren. Aus diesem Grund sieht der Verordnungstext vor, dass Informationen lediglich eingetragen werden, „soweit diese der erteilenden Behörde nicht vorliegen oder der Aktualisierung bedürfen“. Positiv verlaufende Kontrollen, wie sie bei vorbildlich geführten Zirkusbetrieben die Regel sind, werden in den meisten Fällen nicht im Register erfasst. Das Register ist also ein effektives Überwachungsinstrument, lässt aber keine Rückschlüsse auf die Gesamtzahl der Kontrollen zu.

Löwen des Circus Krone im Freigehege. Foto: Astrid Reuber

Löwen des Circus Krone im Freigehege. Foto: Astrid Reuber

Somit kann auch die prozentuale Häufigkeit der Beanstandungen nicht ermittelt werden. Eine Statistik, die allein auf den Registereinträgen beruht, wird also immer zu Ungunsten der Zirkusse ausfallen. Erste Recherchen auf der Grundlage der Tierbestandsbücher – in denen (anders als beim Zentralregister) alle Kontrollen festgehalten werden müssen – ergaben, dass die Zahl der positiven Kontrollen die Zahl der Kontrollen, die zu Beanstandungen führen, um ein Vielfaches übertrifft.

3) „2/3 der Deutschen unterstützen ein Wildtierverbot im Zirkus.“

Zunächst bezweifeln wir die Glaubwürdigkeit solcher repräsentativer Umfragen, da deren Ergebnis immer von der Fragestellung abhängt. Wir möchten hier z. B. an den enormen Erfolg erinnern, den der Circus Krone im vergangenen Jahr hatte. Innerhalb weniger Wochen besuchten Zehntausende die Vorstellungen des wildtierreichsten Zirkus in Deutschland (Elefanten, Löwen, Tiger, Zebras, Papageien). Allein in Lauf an der Pegnitz zählte man ca. 30.000 Zuschauer. Da Circus Krone seine Wildtiere in der Werbung groß herausstellt, kann man davon ausgehen, dass sich diese Menschen bewusst für einen Besuch in einem traditionellen Zirkus mit Wildtieren entschieden haben. Auf unserer Facebook-Seite haben wir diesen Erfolg dokumentiert. Beispielhaft verweisen wir auf die Fotos vom Gastspiel in Gunzenhausen. Auch die anderen Tierzirkusse konnten im Herbst 2017 große Erfolge verzeichnen.

Tierlehrerin Carmen Zander mit einem ihrer Lieblinge im Circus Carl Busch. Foto: Dirk Candidus

Tierlehrerin Carmen Zander mit einem ihrer Lieblinge im Circus Carl Busch. Foto: Dirk Candidus

Selbst wenn die Umfrageergebnisse die wahren Verhältnisse abbilden würden, kann man damit nicht die Einführung von Tierverboten begründen. Wildtiere im Zirkus könnten nur dann verboten werden, wenn ihre Haltung gegen das Tierschutzgesetz verstoßen würde. Doch dies ist ganz offensichtlich nicht der Fall (siehe oben).

4) „Die Haltung exotischer Tiere in Zirkusbetrieben ist abzulehnen.“

Von einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit durch die Wildtierhaltung im Zirkus, wie sie als Grund für ein Verbot angeführt wird, kann keine Rede sein. Großwildtiere wie Elefanten, Nashörner oder Flusspferde, die von einem Wildtierverbot im Zirkus betroffen wären, sind mangels relevanter Vorkommnisse etwa in keinem einzigen deutschen Bundesland auf den Listen gefährlicher Tierarten geführt. Die Unfallzahlen durch Wildtierhaltung werden bei weitem dominiert durch die Reptilienhaltung in Privathaushalten. Unfälle mit Zirkustieren spielen praktisch keine Rolle. Dass wenige Einzelfälle, wie der unter ungeklärten Umständen aus einem Gehege entlaufene Elefant des Circus Luna 2015, von Seiten der Tierrechtler immer wieder aufgegriffen werden, spricht für diese These.

Die im Zirkus besonders intensive Mensch-Tier-Beziehung spielt hierfür eine entscheidende Rolle. Tierlehrer sind Fachleute, die ihre Tiere von klein auf kennen. Ein intensives Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und Tier ist die Grundlage für jede Dressur und gleichzeitig auch ein Garant für Sicherheit. Deshalb ist es nicht überraschend, dass gefährliche Zwischenfälle im Wesentlichen bei privaten Haustierhaltern auftreten, nicht aber im professionellen Tierhaltungsbetrieb Zirkus.

Elefant des Circus Krone im Sandbad. Foto: Dirk Candidus

Elefant des Circus Krone im Sandbad. Foto: Dirk Candidus

5) Kommunale Wildtierverbote rechtlich unbedenklich

Davon kann überhaupt keine Rede sein. Die Haltung von Wildtieren im Zirkus wird durch das Tierschutzgesetz und die Zirkus-Leitlinien auf Bundesebene geregelt. Kommunale Wildtierverbote stehen zu den Regelungen des Bundes im Widerspruch und sind deshalb immer fragwürdig.

In erster Instanz haben die Verwaltungsgerichte Darmstadt, Chemnitz und Hannover bereits Wildtierverbote für rechtswidrig erklärt. Das niedersächsische Oberverwaltungsgericht Lüneburg und das Oberverwaltungsgericht Greifswald haben dies kürzlich in höherer Instanz bestätigt, dass Wildtierverbote den Kompetenzbereich der Kommunen übersteigen und einen unzulässigen Eingriff in die Berufsfreiheit darstellen. Die Entscheidung ist nicht anfechtbar und auf Grund ihrer einzelfallübergreifenden Begründung ist davon auszugehen, dass sie einen Präzedenzfall darstellen wird.

Dem gegenüber steht lediglich ein früheres erstinstanzliche Urteil, das ein Wildtierverbot in Erding bestätigt hatte. Die Rechtsprechung ist damit klar gegen kommunale Wildtierverbote gerichtet. Auch der Rechtsanwalt Dr. Roland Steiling (Kanzlei Graf von Westphalen) hat sich in einem Gutachten mit der Rechtmäßigkeit kommunaler Wildtierverbote befasst und kommt zu folgendem Ergebnis:

Erwin Frankello und seine Seelöwen bei der RTL-Castingshow "Das Supertalent". Foto: Tobias Erber

Erwin Frankello und sein Seelöwe bei der RTL-Castingshow „Das Supertalent“. Foto: Tobias Erber

„Die beschriebenen kommunalen Wildtierverbote sind – unabhängig von der konkreten Ausgestaltung im Einzelfall – nach unserer rechtlichen Überzeugung rechtswidrig. Derartige Nutzungsbeschränkungen verstoßen gegen die Kompetenzordnung des Grundgesetzes und widersprechen dem geltenden Tierschutzrecht. (…) Die kommunalen Wildtierverbote verstoßen damit gegen Bundesrecht und sind nicht von der Selbstverwaltungskompetenz des Art. 28 Abs. 2 GG gedeckt.“

Quelle: Gutachten Dr. Ronald Steiling.

6) Die Bundestierärztekammer spricht sich für ein Wildtierverbot aus

Dieses Argument geht auf eine Pressemeldung des Vorstands der Bundestierärztekammer (BTK) vom 20. 04. 2010 zurück, die von Anfang an von der Fachwelt scharf kritisiert wurde. So beruht vor allem die Hauptthese der Presseerklärung auf einem eindeutigen fachlichen Fehler. Näheres hierzu finden Sie auf unserer Homepage.

Am 24. 09. 2016 hat die BTK eine weitere Stellungnahme zum Thema „Zirkustiere“ veröffentlicht, in der sie von der Forderung nach einem pauschalen Wildtierverbot für Zirkusbetriebe abrückt.

Übrigens steht auch der Arbeitskreis „Zirkus und Zoo“ der „Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz“ (TVT) einem pauschalen Wildtierverbot ablehnend gegenüber und begründet dies damit, dass die Reformen der Zirkustierhaltung in den letzten Jahren gegriffen und zu einer deutlichen Änderung der Verhältnisse geführt hätten.

Raubtierflüsterer Martin Lacey und die Löwin Clio im Circus Krone. Foto: Astrid Reuber

Raubtierflüsterer Martin Lacey und die Löwin Clio im Circus Krone. Foto: Astrid Reuber

7.) Was häufig übersehen wird

Kommunale Wildtierverbote führen nicht zu einem Verschwinden der Wildtiere im Zirkus, sondern nur zu einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation der Unternehmen. Dies könnte zu einem unkontrollierten Zusammenbruch der Zirkusszene führen – mit allen damit verbundenen Nachteilen und Risiken für die Tiere. Deshalb kann ein Wildtierverbot für Zirkusse nur in Form eines bundesweiten Nachstellverbots erlassen werden. Natürlich würden wir auch ein solches Verbot mit guten Gründen ablehnen.

In einem Rechtsstaat dürfen Verbote niemals leichtfertig erlassen werden. In Anbetracht der vielen Zweifel, die an dem vorliegenden Antrag bestehen, appellieren wir an Ihr Gewissen: Bitte lehnen Sie den Antrag für ein Wildtierverbot in Ansbach ab!

Anmerkung der Redaktion

Gastbeiträge geben nicht automatisch die Meinung der Redaktion wieder. Sie sollen zur Debatte anregen  – so wie auch jeder gute Kommentar auf Facebook. Wir geben deshalb allen unseren Lesern die Chance, ihre Meinung bei uns zu veröffentlichen und diese diskutieren zu lassen. Wir freuen uns über Gastbeiträge zu allen Themen an: redaktion@ansbachplus.de.

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