v.l.n.r. Boris-André Meyer, Kerstin Weinberg-Jeremias, Uwe Schildbach. Foto: Melanie Lay.
v.l.n.r. Boris-André Meyer, Kerstin Weinberg-Jeremias, Uwe Schildbach. Foto: Melanie Lay.

OLA fordert Verbot der Mitführung von Wildtieren

Nächste Runde im Zirkus um die Zirkusse: Die Stadtratsfraktion der Offenen Linken Ansbach (OLA) fordert in einer Pressemitteilung die Oberbürgermeisterin der Stadt Carda Seidel auf, kommunale Flächen zukünftig nur noch an Zirkusbetriebe zu vermieten, die keine Wildtiere mitführen. Hierunter fallen insbesondere Elefanten, Flusspferde, Giraffen, Großbären, Großkatzen, Nashörner, Primaten ab Makakengröße und Wölfe.

Mit der Beschränkung soll den Gefahren, die mit der Haltung dieser Tierarten in mobilen Einrichtungen einhergehen, begegnet werden. Damit fördert die Stadt Ansbach die Sicherheit von Anwohnern und Besuchern sowie den Tierschutz bei Zirkusgastspielen in Ansbach.

Mann zu Tode getrampelt

Ausbrüche von Wildtieren wie Elefanten, Tiger oder Bären aus Zirkusbetrieben sind vielfach dokumentiert. So brachen beispielsweise zwischen 2009 und 2016 insgesamt mindestens 25 Mal Elefanten aus Zirkusbetrieben in Deutschland aus oder liefen unbeaufsichtigt umher. Dabei wurden mindestens vier Menschen zum Teil schwer verletzt. 2015 wurde ein Mann im baden-württembergischen Buchen von einem Elefanten aus einem Zirkus zu Tode getrampelt.

Europaweit wurden in den vergangenen Jahren 17 Personen von Elefanten im Zirkus getötet und mindestens 59 teilweise schwer verletzt. Zuletzt brach am vorgestrigen 06.06.2018 im rheinland-pfälzischen Neuwied ein Elefant aus dem Circus Krone aus.

Ausbruchsicher und artgerecht

Auch der Bundesrat verweist in seiner Entschließung 2016 für ein Verbot von Wildtieren im Zirkus auf die Gefahrensituation: „Ferner sind vermehrte Zwischenfälle mit den genannten Tierarten und Ausbrüche von Zirkustieren augenfällig, die auch die Bevölkerung immer wieder gefährden.“ Einen Grund dafür sieht die Länderkammer darin, dass die „eigentlich notwendige Einrichtung von ausreichend großen, ausbruchsicheren und artgerecht ausgestatteten Gehegen […] mit der Notwendigkeit zur fortwährenden Mobilität“ kollidiert. Insgesamt kam es zwischen 2009 und 2016 zu mindestens 45 Ausbrüchen von Bären, Elefanten, Flusspferden, Großkatzen, Nashörnern und Primaten aus Zirkusbetrieben in Deutschland.

Unvorhersehbare Gefahrensituationen

Der Bundesrat verweist auf Verhaltensstörungen vieler Tiere im Zirkus als Folge der schlechten Haltungsbedingungen in einem mobilen Betrieb. Dadurch wird das Verhalten der Tiere unberechenbar und Gefahrensituationen werden kaum vorhersehbar. Selbst jahrelang unauffällige oder als „gezähmt“ geltende Wildtiere können unvermittelt und ohne ersichtlichen Grund zur Gefahr werden. So wurde die Elefantenkuh „Benjamin“, die im Juni 2015 einen Passanten in Buchen (Odenwald) tötete, 2013 vom Kreisveterinäramt Bad Tölz-Wolfratshausen als „in keinster Weise aggressiv“ wirkend bezeichnet.

Besondere Vorschriften

Für die Haltung von Wildtieren in Zoos und Tierparks gilt zur Schadensregulierung die Unfallrichtlinie „BGR/GUV-R 116“ in der aktualisierten Fassung von 2012. Darunter fallen Elefanten, Flusspferde, Giraffen, Großbären, Großkatzen, Nashörner, Primaten ab Makakengröße und Wölfe u. a. klassifiziert.

Für deren Haltung sind besondere Sicherheitsanforderungen vorgeschrieben, die vor allem hinsichtlich der besonders gefährlichen Wildtierarten in mobilen Einrichtungen wie Zirkusbetrieben aufgrund baulicher und personeller Anforderungen nicht umsetzbar erscheinen.

Breite Unterstützung

Eine deutliche Mehrheit der Deutschen steht Gastspielen von Zirkusbetrieben mit Wildtieren kritisch gegenüber. Einer repräsentativen forsa-Umfrage vom Mai 2014 zufolge vertreten 82 % die Auffassung, dass Wildtiere nicht artgerecht im Zirkus gehalten werden können. Zwei Drittel der Bevölkerung unterstützt laut repräsentativen Umfragen ein Wildtierverbot im Zirkus. Bereits 21 europäische Länder, darunter die Niederlande, Österreich und Belgien, haben bestimmte Tierarten im Zirkus verboten. In Deutschland erlassen immer mehr Städte kommunale Wildtierverbote, in Mittelfranken beispielsweise Erlangen, Schwabach oder Herzogenaurach.

Roncalli als Beispiel

Seit Anfang 2018 führt auch einer der größten deutschen Zirkusse, Roncalli, aus Gründen der Sicherheit und des Tierschutzes keine gefährlichen Wildtiere mehr mit. Mit o.g. Beschluss, der den Empfehlungen des Bundesrats und der Bundestierärztekammer entspricht, werden in Ansbach künftig hochkarätige Zirkusgastspiele möglich sein.

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Stadtratsfraktion der Offenen Linken Ansbach.

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