Die BFE+ ist mit jetzt rund 250 Kräften voll ausgebaut. Foto: Bundespolizei
Die BFE+ ist mit jetzt rund 250 Kräften voll ausgebaut. Foto: Bundespolizei

BFE+: Die Spezialeinheit fürs Grobe

Auswärtsfahrten sind ein Ereignis. Knapp 80.000 Fußballfans aller Ligen reisen an Spieltagen mit der Bahn ihrem Team nach. Sie füllen den Gästeblock und unterstützen ihre Mannschaft.

Leider wird bei Fußballspielen auch immer häufiger ein Großaufgebot an Polizisten benötigt, um die Sicherheit zu gewährleisten. Besonders wenn der DFB mit den Sicherheitsbehörden die Partie als „Hochsicherheitsspiel“ eingestuft hat, merkt man die starken Kräfte der Landes- und Bundespolizei deutlich. Zuletzt gut zu beobachten, als Anfang Februar der 1. FC Magdeburg anreiste, um gegen den FC Würzburger Kickers zu spielen.

Hunderte Fans aus Magdeburg kamen mit dem Zug – darunter auch zahlreiche „Fans“, die als „Gewalttäter Sport“ bei der Polizei bekannt sind.

Kräfte der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) am Würzburger Bahnhof. Foto: Pascal Höfig

Kräfte der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) am Würzburger Bahnhof. Foto: Pascal Höfig

Unterstützung für Spezialkräfte

Und dieses „Sicherheitsrisiko“ war auch deutlich zu spüren. Denn neben den regulären Kräften der Bundesbereitschaftspolizei, war auch eine Spezialeinheit in Würzburg. Die Beweis- und Festnahmehundertschaft (BFE). Diese Einheit gibt es seit kurzem auch mit dem Zusatz „Plus“ – oder kurz „BFE+“. Eine Einheit, die 2016 gegründet wurde, um im Bedarfsfall die GSG 9 der Bundespolizei oder auch Spezialeinsatzkommandos (SEKs) der Länder zu unterstützen.

Die BFE+ ist mit jetzt rund 250 Kräften voll ausgebaut. Foto: Bundespolizei

Die BFE+ ist mit jetzt rund 250 Kräften voll ausgebaut. Foto: Bundespolizei

 

Bei besonderen Gefährdungslagen oder Fahndungen

Die BFE+ gibt es an den Standorten Uelzen, Blumberg, Bayreuth, Sankt Augustin und Hünfeld. Die BFE+ kommt bei besonderen Gefährdungslagen oder Fahndungen zum Einsatz. Die GSG 9 kann sich so voll und ganz auf das Vorgehen gegen die Täter konzentrieren und weiß sich durch gut ausgebildete „eigene“ Kräfte in ihrem Rücken gesichert.

Jedes Mitglied dieser Einheit ist eigens von der GSG 9 ausgebildet worden. Der Aufbau der Einheiten der BFE+ mit jetzt rund 250 Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamten ist ein wesentlicher Baustein der Stärkung der Bundespolizei, die in den Jahren 2016 bis 2020 mehr als 7.000 zusätzlichen Planstellen und Stellen erhalten wird.

Kurzinterview mit dem Kommandeur der GSG 9

Kurzinterview mit dem Kommandeur der GSG 9 der Bundespolizei, Jeröme Fuchs Die BFE+ ist in aller Munde, doch was sagt eigentlich die Spezialeinheit GSG 9 der Bundespolizei selbst zur neuen „robusten Einheit“? Wie unterscheidet sie sich von selbiger? Und wie agieren die beiden Einheiten eigentlich im Ernstfall zusammen? Fragen, die der Chefredakteur der Bundespolizei kompakt, lvo Priebe, dem Kommandeur der GSG 9 der Bundespolizei, Jerome Fuchs, stellte.

Bundespolizei kompakt: Dem Vernehmen nach haben wir in Deutschland mit der GSG 9 der Bundespolizei eine relevante Spezi­aleinheit zur Bekämpfung von Terrorismus und schwerster Gewaltkriminalität. Auch die Spezialeinheiten der Bundeslän­der warten mit entsprechenden Leistungen auf. Wozu also eine BFE+?

Jerome Fuchs: Spezialeinheiten müssen im Falle eines Ter­roranschlages schnellstmöglich gegen die Täter eingesetzt werden. Dazu müssen sie flexibel und mobil sein. Zur Ter­rorprävention müssen potenzielle Ziele einen besonderen, robusten Schutz erhalten.

Im Aufgabengebiet der Bundespo­lizei wären dies Bahnhöfe, Flughäfen oder Grenzübergänge zu unseren Nachbarstaaten. Nach einem Anschlag muss nach schwer bewaffneten Straftätern gefahndet werden. Dies erfordert einen hohen Kräfteansatz. Würden hierfür Spezialeinheiten zum Einsatz kommen, wäre die Reaktions­fähigkeit dieser Einheiten für ihren eigentlichen Auftrag, das unmittelbare Vorgehen gegen terroristische Gewalttäter, nicht mehr gegeben.

Jéróme Fuchs, Kommandeur der GSG 9. Foto: Bundespolizei

Jéróme Fuchs, Kommandeur der GSG 9. Foto: Bundespolizei

Bundespolizei kompakt: Die GSG 9 der Bundespolizei hat wesentlich Kon­zept und Ausbildung der BFE+ beeinflusst. Wie haben Sie die Kameraden der BFHu Blumberg während ihrer Verwen­dungsfortbildung bei der GSG 9 in Sankt Augustin erlebt?

Jerome Fuchs: Die Angehörigen der BFHu Blumberg habe ich als überaus motiviert, bescheiden und wissbegierig wahrgenommen. Sie standen vor der Herausforderung, innerhalb von sechs Wochen die Grundzüge des taktischen Vorgehens gegen militärisch ausgebildete und bewaffnete Täter zu erlernen. Zudem mussten sie sich mit dem G 36c sowie der Versorgung von Schwerstverletzten vertraut machen. Ausgestattet mit einer neuen, ungewohnten Ausrüstung wurde ihnen das Erlernte in Situationstrainings unter Stress abgefordert. Dieses herausfordernde Hindernis haben am Ende der sechs Wochen alle Teilnehmer mit Erfolg überwunden. Dieses Lob möchte ich auch den Fortbildern der GSG 9 aussprechen, die mit sehr viel Engagement wesentlich dabei unterstützt haben.

Situationstraining der GSG9. Foto: Bundespolizei

Situationstraining der GSG9. Foto: Bundespolizei

Bundespolizei kompakt: Wie stellen Sie sich das Zusammenwirken der GSG 9 und BFE+ im Einsatz vor?

Jerome Fuchs: Einerseits entlastet die BFE+ die GSG 9 von personalbindenden Schutz- und Fahndungsmaßnah­men. Andererseits können die BFE+-Kräfte die GSG 9 auch im tatsächlichen Einsatzgeschehen unterstützen, indem sie im unmittelbaren Gefahrenbereich die Absperrung stel- len, durchsuchte Räume halten, Verletzte versorgen und Unbeteiligte evakuieren. Die GSG 9 kann sich so voll und ganz auf das Vorgehen gegen die Täter konzentrieren und weiß sich durch gut ausgebildete „eigene“ Kräfte in ihrem Rücken gesichert.

Bundespolizei kompakt: Machen wir uns nichts vor – Spezialisierungen bedeuten auch immer, dass unter Umständen elitäres Den­ ken und bei dem einen oder anderen eine gewisse „Abge­hobenheit“ entsteht. Wie kann man dem vorbeugen?

Jerome Fuchs: Spezialeinheiten stehen sowohl im Fokus der Öffentlichkeit als auch im Blickfeld ihrer Kollegen. Gera­de deshalb gilt für Spezialeinheiten und Spezialkräfte, dass sie sich in erster Linie durch professionelles Handeln und Verhalten auszeichnen. Von den Beamten der GSG 9 erwar­te ich, dass sie hohe Ansprüche an sich selbst stellen, mit Respekt und Neugierde ihren Partnern begegnen und durch Leistung überzeugen. Abgehobenheit und elitäres Denken gehören definitiv nicht dazu.

Gleichwohl benötigen Spezi­aleinheiten und Spezialkräfte wie die BFE+ einen besonde­ren Zusammenhalt, einen positiven „esprit de corps“ sowie ein gesundes Selbstbewusstsein, um bei der Bewältigung ihres schwierigen Auftrages erfolgreich sein zu können. Nach dieser Philosophie suchen und bilden wir das Personal der GSG 9 aus. Mit der Direktion Bundesbereitschaftspolizei sind wir uns einig, dass wir bei den Kräften der BFE+ von diesem Grundsatz nicht abweichen werden.

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