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Rund 230 Gefangene verbringen Weihnachten in der JVA Ebrach. Foto: Pascal Höfig
Rund 230 Gefangene verbringen Weihnachten in der JVA Ebrach. Foto: Pascal Höfig

Weihnachten in Bayerns größtem Jugendknast

Während tausende Familien in Deutschland zusammen mit ihren Liebsten die Geschenke auspacken, schließen sich in der Justizvollzugsanstalt Ebrach in Oberfranken die Türen der Hafträume. Spätestens um 16.15 Uhr ist die Gemeinschaftszeit für die Insassen vorbei und sie müssen zurück in ihre Zellen. Rund 230 männliche Jugendstrafgefangene im Alter von 17 – 24 Jahren werden in diesem Jahr die Weihnachtszeit hinter Gittern verbringen. Für viele Gefangenen ist es eine harte Zeit ohne Familie, Freunde oder Ablenkung durch die Arbeit.

Wir haben uns mit Gerhard Weigand, dem Leiter der Justizvollzugsanstalt Ebrach, unterhalten und nachgefragt wie denn in Ebrach Weihnachten gefeiert wird.

Wer ist hier inhaftiert und warum?

Gerhard Weigand: Die JVA Ebrach ist die größte der drei bayerischen Jugendstrafanstalten und zuständig für sämtliche männliche Jugendstrafgefangene aus dem ganzen Freistaat Bayern ab 17 Jahren, die vorbelastet sind oder eine längere Jugendstrafe verbüßen, sowie für älter als 21 Jahre alte Gefangene bis zum Höchstalter von 24 Jahren. Verurteilt u.a. wegen Diebstahl, Unterschlagung, Betrug oder Drogendelikten. Ein größerer Teil wegen Gewalt- oder Sexualstraftaten.

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Wie viele Häftlinge werden in diesem Jahr in der JVA Ebrach Weihnachten verbringen?

Gerhard Weigand:  An den Weihnachtsfeiertagen werden 230 Gefangene in der JVA Ebrach sein.

Wie wird die Weihnachtszeit in der JVA verbracht? Gibt es einen Christbaum in der Anstalt?

Gerhard Weigand: Am Vormittag des letzten Arbeitstages vor Weihnachten, also am Freitag, finden in den Betrieben und Schulklassen „kleine“ Weihnachtsfeiern statt. Die Betriebsleiter bzw. die Lehrer sitzen mit jeweils 6 – 10 Gefangenen bei Plätzchen und Kaffee zusammen. An den Feiertagen gibt es ökumenische Weihnachtsgottesdienste. Diese finden im „Kapitelsaal“ statt, wo auch ein Christbaum aufgestellt ist.

Besuch von Erzbischof Ludwig Schick an Weihnachten 2016. Foto: JVA Ebrach

Besuch von Erzbischof Ludwig Schick an Weihnachten 2016. Foto: JVA Ebrach

Was ist „anders“ für die Gefangenen in der Weihnachtszeit?

Gerhard Weigand: Jeder Gefangene erhält zu Weihnachten ein Geschenkpäckchen mit Süßigkeiten, Schokolade etc. vom Landesverband für Gefangenenfürsorge und Bewährungshilfe e.V., Bezirksverein Ebrach. Es gibt auch einen sogenannten „Weihnachtssondereinkauf“. Die Gefangenen dürfen zusätzlich für ca. 100 Euro einmalig Nahrungs- und Genussmitteln kaufen.

TV-Anschlüsse werden ausnahmsweise durchgehend (24 Stunden) vom 23.12.2017 bis 01.01.2018 freigegeben – normalerweise sind die TV-Anschlüsse ab 23.00 Uhr abgeschaltet.

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Leiter der Justizvollzugsanstalt Ebrach, Gerhard Weigand. Foto: JVA Ebrach

Leiter der Justizvollzugsanstalt Ebrach, Gerhard Weigand. Foto: JVA Ebrach

Gibt es über Weihnachten „Sonderfreigang“ ?

Gerhard Weigand: Zunächst einmal erfolgt die Vorverlegung aller Entlassungen des Zeitraums ab 22.12.2017 bis 6. Januar 2018 auf den 21.12.2017 (Art. 18 Abs 2 BayStVollzG). Dann werden insbesondere die Gefangenen des offenen Vollzugs über Weihnachten mehrtägig beurlaubt und einzelne Gefangene erhalten auch eintägige Ausgänge.

Dürfen die Häftlinge ihre Zellen weihnachtlich schmücken bzw. wird dies gemacht?

Gerhard Weigand: Die Gefangenen können ihre Hafträume individuell gestalten.

Was gibt es in diesem Jahr an Heiligabend für die Gefangenen zu Essen?

Gerhard Weigand: Am 24.12. wird es Putenkeule mit Nudeln, Salat sowie einen Nachtisch geben.

Rund 230 Gefangene verbringen Weihnachten in der JVA Ebrach. Foto: Pascal Höfig

Rund 230 Gefangene verbringen Weihnachten in der JVA Ebrach. Foto: Pascal Höfig

Wie gehen die Häftlinge mit der Einsamkeit speziell in diesen Tagen um? Ist die Stimmung vor Weihnachten gereizter und angespannter als sonst?

Gerhard Weigand: Das ist sehr individuell. Es gibt da eine sehr große Bandbreite von einer enormen psychischen Belastung in Einzelfällen, bis zu völligem Desinteresse an der „Weihnachtsstimmung“.

Wann gehen an Heiligabend die „Zellentüren“ für die Insassen zu? 

Gerhard Weigand: Die Aufschlüsse sind von Station zu Station zu unterschiedlichen Zeiten, letzter Einschluss an Heilig Abend ist um 16.15 Uhr.

Wie viele Weihnachtsfeste haben Sie selbst bereits „hinter Gittern“ verbracht?

Gerhard Weigand: Ich hatte im Frühjahr 2017 mein 25-jähriges Dienstjubiläum. In dieser Zeit bin ich aber auch einige Jahre als Rechtsreferendar und als Staatsanwalt sowie als Referatsleiter im Bayerischen Staatsministerium der Justiz tätig gewesen. Tatsächlich „hinter Gittern“ habe ich Weihnachten in 20 Jahren in den Justizvollzugsanstalten Heilbronn, Würzburg, Aschaffenburg und Ebrach verbracht.

Infos zur Justizvollzugsanstalt Ebrach:

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