Auch das Schuhaus Weigel steht momentan leer. Foto: Larissa Noack
Auch das Schuhhaus Weigel steht momentan leer. Foto: Larissa Noack

Gastbeitrag: Die Ansbacher Altstadt als Todesfalle für Ladengeschäfte

Gastbeitrag von Pascal P.

Die „Kill-List“

Bäckerei Held, Kaspar-Hauser Buchladen, Weltbild, Schuhhaus Weigel: Die „Kill-List“ der Ansbacher Altstadt ist lang. Ein Ende des Geschäfte-Sterbens ist wohl nicht in Sicht, gleicht die Altstadt an normalen Werktagen doch eher einer Wüste als einer Shopping-Meile. Die einzigen Menschen, die das Bild des leeren Martin-Luther-Platzes durchbrechen, gehören kleinen Touristen-Gruppen an. Völlig ungestört von größeren Menschenmassen können sie Bilder der St. Johannis Kirche schießen.

Andere Menschen wiederum sind auf dem Weg zur Arbeit um Brillen zu verkaufen, oder Haare zu schneiden. Jedoch betritt die Minderheit von ihnen ein Bekleidungsgeschäft zum Arbeiten. Selbiges gilt für die Kunden: Meist nimmt man den Weg in die Innenstadt auf sich, um sich einen neuen Haarschnitt zu verpassen oder eine Beratung für eine neue Brille einzuholen. T-Shirts kauft man sich dann doch eher im Brücken-Center, oder sogar gleich Online.

Dies spiegelt sich auch in den Reaktionen der Verkäuferinnen eines Bekleidungsgeschäfts in der Neustadt wider. Betritt man als Kunde dort die Verkaufsfläche ist man sich nicht sicher, ob der Gesichtsausdruck des Personals Freude, Euphorie oder einfach Verwunderung darüber ist, dass es tatsächlich jemand in eine der hintersten Ecken der Altstadt geschafft hat, nur um sich eine Hose zu kaufen. Doch die Motivation ist jedenfalls groß: Beratung wird nach nicht mal zehn Sekunden angeboten. Also scheint die Reaktion der Verkäuferinnen wohl doch eher Freude und Erleichterung darüber zu sein, die Langeweile im ansonsten leeren Geschäft überbrücken zu können.

US-Ketten als Rettung für die Altstadt?

Postet Ansbach plus ein Bild von leerstehenden Geschäftsräumen, ist in den Kommentaren darunter der Ruf nach US-Ketten groß. Pizza Hut, Kentucky Fried Chicken oder gar Starbucks-Filialen werden gefordert. Doch ist es das was die Altstadt braucht? Kann ein Fast-Food-Restaurant oder eine Café-Kette, die es in Europa ohnehin schwieriger hat als in den USA, die Altstadt wiederbeleben?

Starbucks und KFC sind keine Ketten, die es als ihre Aufgabe sehen, ausgestorbenen Fußgängerzonen zu neuem Zulauf zu verhelfen. Vielmehr setzen sie sich gerne ins gemachte Nest, wie beispielsweise in Nürnberg. Wo Kunden sind, ist auch Starbucks. In Ansbach gibt es aber keine bzw. nur wenige Kunden und demzufolge auch keine Starbucks-Filiale, wie sie sich so viele in den Facebook-Kommentaren wünschen. Darüber hinaus wird eine solche Eröffnung abgesehen von einem kurzen Anfangshype wohl keine Veränderung der Besucherzahlen der Altstadt bewirken.

Aufgabe des Citymarketings und der Ansbacher

Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass es Aufgabe der Ansbacher ist, eine belebte Altstadt zu erschaffen. Einwohner, für die die Altstadt von geringer Relevanz ist, sollten also von Urteilsbildungen über Geschäftsschließungen absehen. Neue Marken und Ketten benötigen nun einmal einen Markt, damit es sich überhaupt lohnt, ein Geschäft zu eröffnen. Aufgrund der größtenteils von den Kunden gemiedenen Altstadt ist es durchaus verständlich, dass Neueröffnungen ausbleiben.

Dementsprechend befindet sich Ansbach also fast in einem Teufelskreis, was die Belebung der Altstadt angeht: Ohne neue Geschäfte keine Kunden in der Altstadt und umgekehrt ohne Kunden in der Altstadt keine neuen Geschäfte. Nun ist es also Aufgabe des Citymarketings, die Altstadt attraktiver für Geschäfte zu machen und die Ansbacher, die sich für die Bequemlichkeit des Online-Shoppings entschieden haben, wieder für das Einkaufserlebnis in der Innenstadt zu begeistern. An den verkaufsoffenen Sonntagen erkennt man, wie viel Potenzial tatsächlich in der Altstadt steckt. Jedoch reichen drei einigermaßen gut besuchte Tage pro Jahr eben nicht aus, um Ansbach als attraktiven Standort zu etablieren.

Letztendlich liegt es aber auch an uns – den Ansbachern – den Reiz der Innenstadt zu erhöhen. Da reicht es eben nicht aus nur an den fünf Tagen die Innenstadt zu besuchen, wenn Altstadtfest ist. Und sind wir ehrlich: Unser Ansbach ist viel zu schön, als dass es wirklich stichhaltige Argumente gäbe, die Innenstadt zu meiden.

Anmerkung der Redaktion

Gastbeiträge geben nicht automatisch die Meinung der Redaktion wieder. Sie sollen zur Debatte anregen  – so wie auch jeder gute Kommentar auf Facebook. Wir geben deshalb allen unseren Lesern die Chance, ihre Meinung bei uns zu veröffentlichen und diese diskutieren zu lassen. Wir freuen uns über Gastbeiträge zu allen Themen an: redaktion@ansbachplus.de.

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