Symbolbild Ansbach. Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Ansbach. Foto: Pascal Höfig

Zukunftssicherung von ANregiomed: Das schlägt der Verwaltungsrat vor

Zukunftssicherungskonzept

In einem offenen Brief an Oberbürgermeisterin Carda Seidel und Landrat Dr. Jürgen Ludwig teilt uns der stellvertretende Verwaltungsrat Martin Porzner Fragen und Vorschläge für das Zukunftssicherungskonzept von ANregiomed der Ansbacher SPD- Fraktion bzw. Verwaltungsräte mit.

Brief des stv. Verwaltungsrats Martin Porzner

Sehr geehrter Herr Landrat Dr. Ludwig, sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Seidel,

der Verwaltungsrat hat in seiner Sitzung am 19. April 2017 dem Interims-Vorstand und seinem Team den Auftrag erteilt, notwendige Maßnahmen zu benennen und Wege aufzuzeigen, wie die Zukunft von ANregiomed gesichert werden kann. Aufgabe des Verwaltungsrats und der Politik ist es, diesen Weg konstruktiv zu begleiten und die entsprechenden Beschlüsse für ein Zukunftssicherungskonzept zu fassen. Ziel ist der Erhalt aller Standorte, die Sicherung der gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung im Einzugsbereich, eine sozialverträgliche Reduzierung der Personalkosten, die Entwicklung eines zukunftsfähigen Medizinkonzeptes und die Verbesserung des Renommees der Marke ANregiomed.

Maßnahmen zur Umstrukturierung des medizinischen Bereichs

Derzeit gibt es zu viele Parallelangebote an den verschiedenen Standorten. Nicht alle Standorte sind in der jetzigen Struktur überlebensfähig. Der Erhalt aller Standorte wird aber politisch ausdrücklich gewünscht. Ziel muss es daher sein, Doppelstrukturen zu benennen und abzubauen. Es wird ein Hauptstandort festgelegt, der Schwerpunktversorger ist. Dort sind alle Fachrichtungen vertreten, die sehr eng vernetzt sind. Daneben gibt es zwei stationäre Fachstandorte mit Fachgebieten, die relativ eigenständig arbeiten können, aber attraktiv sind und eine klare Perspektive für die Zukunft haben. Die notwendigen strukturellen Änderungen sind schnell und mutig anzugehen.

Wir sind der Meinung, dass zur Umsetzung dieser Maßnahmen ärztliche Kompetenz im Vorstand einzubringen ist. Die leitenden Ärzte von ANregiomed müssen wieder mehr am Prozess beteiligt werden. Nach dem ersatzlosen Ausscheiden von zwei Vorständen wäre auch externe medizinische Unterstützung in der Geschäftsführung vorstellbar. Bei dem Einstellungsvertrag sollte auf eine zeitliche Befristung und klare Zielvereinbarungen geachtet werden.

 

Bündelung von wichtigen Kompetenzen bei den Versorgungs- und Unterstützungsdiensten

Es ist zu prüfen, inwieweit es sinnvoll ist, die Bereiche Küche, Reinigung, IT, Medizintechnik, Haustechnik, Zentrallager und Sterilisation gruppenweit und regional zu bündeln. Dabei setzen wir nicht auf einfache Lohneffekte durch pauschale Kürzungen. Vielmehr geht es uns um die Zusammenführung von Kompetenzen, um eine bessere Ausbildung, um eine Steigerung der Qualität, um mehr Eigenverantwortung. Z.B. haben wir eine hervorragende Küche in Ansbach. Kann diese in Verbindung mit einem internen Catering-Konzept auf einen Standort konzentriert werden? Evt. können auch Firmen, Schulen oder Kindergärten mit frischem Essen beliefert werden.

Welche Möglichkeiten sieht der Vorstand für die Bündelung von Kompetenzen bei den Versorgungs- und Unterstützungsdiensten?
Welche Vorteile sind damit verbunden?
Welches Einsparpotential könnte erreicht werden?

Beiträge der Träger Stadt und Landkreis Ansbach

Derzeit ist ANregiomed mit ca. 60 Millionen Euro verschuldet. Gleichzeitig werden mehr als 100 Millionen Euro in die Verbesserung der medizinischen und baulichen Infrastruktur investiert.

Welche Beiträge müssen von den Trägern erbracht werden, um das Klinikum ANregiomed auf solide wirtschaftliche Beine zu stellen?

Personalkosten

Die Personalkosten sind mit Abstand der größte Kostenfaktor bei ANregiomed. Die Personalkostenquote liegt deutlich über 70 Prozent. Vergleichbare Häuser haben einen Personalkostenanteil von 60 bis 65 Prozent. Gleichzeitig ist das Personal unser wertvollstes Gut. Nur zufriedenes und qualifiziertes Personal kann auch einen hochwertigen Dienst am Menschen leisten. Durch verschiedene Einzelmaßnahmen ist es bereits gelungen, die Personalkosten zu senken. Auch durch den Abbau von Doppelstrukturen ist es sicherlich möglich, das vorhandene Personal effektiver einzusetzen. Es sollten intensive Gespräche mit Ärzten von Bereichen mit hohem Defizit geführt werden. Der eingeschlagene Weg der Einzelgespräche ist zwar ein sehr zeit- und arbeitsintensiver Weg, dafür aber auch ein sozialverträglicher Weg.

Welches Einsparpotential kann durch Einzelmaßnahmen erreicht werden?
Welches Einsparpotential kann durch den Abbau von Doppelstrukturen erreicht werden (s.o.)?

Zukunftssicherungstarifvertrag

Ein Zukunftssicherungsvertrag kann nur die allerletzte Maßnahme sein. Dieser ist an enge Voraussetzungen geknüpft. Erst wenn die organisatorischen und strukturellen Änderungen angepackt werden und die Träger ihre notwendigen Beiträge leisten, darf über Einsparungen beim Personal nachgedacht werden. Letztendlich müssen die Mitarbeiter davon überzeugt werden, dass es sich lohnt, vorübergehend für den Erhalt des Arbeitsplatzes Einbußen hinzunehmen. Dabei sollte eine wichtige psychologische Komponente beachtet werden. Die Kürzung von Einnahmen schmerzt mehr, als der vorübergehende Verzicht auf künftige Tarifsteigerungen. Vielleicht gelingt es ja gemeinsam mit der Personalvertretung, den Gewerkschaften und dem Marburger Bund bei Bedarf einen sozialverträglichen Ansbacher Haustarifvertrag abzuschließen.

Verbesserung der Außenwirkung

Eines der Hauptprobleme von ANregiomed ist die öffentliche Wahrnehmung. Positive Entwicklungen finden längst nicht die Resonanz wie vermeintliche oder tatsächliche Fehlentwicklungen. Hier gilt es mit Kompetenz, Service und Charme ein positiveres Bild von ANregiomed zu zeichnen. Wir schlagen vor, den eingeschlagenen Weg von Vorträgen und Fortbildungsveranstaltungen beizubehalten. Eine intensive patientenbezogene Kommunikation mit den ärztlichen Zuweisern stärkt das gegenseitige Vertrauen. Gut wäre auch eine moderierte Regionalkonferenz zwischen Klinikum und niedergelassenen Ärzten. Dabei sollten die positiven Beispiele für eine erfolgreiche Zusammenarbeit dargestellt werden, aber auch Probleme benannt werden, die in anderen Bereichen bestehen. Wir stellen uns eine Patientenkonferenz vor, an der interessierte Bürger, Parteienvertreter, Vereine, Selbsthilfegruppen teilnehmen können. Auch Sympathieveranstaltungen im Klinikum Ansbach sind denkbar, z.B. die lange Nacht im Klinikum, Theater oder Musik im Klinikum, Patiententage.

Sonstiges

Gibt es die Möglichkeit, ein Parkhaus zu errichten? Wenn ja, wer könnte es betreiben?

Kann eine Apotheke für Patienten im Bereich des Klinikums bzw. am TIZ angesiedelt werden?

Gibt es die Möglichkeit einer Kooperation im Bereich der Notfallaufnahme mit der KV-Praxis im Hinblick auf die Gesetzesänderung zum 1.2.2018? Könnten damit die strukturellen Probleme im Bereich der Notaufnahme eingedämmt werden? Gibt es die Möglichkeit, die Patienten auf die hohen Folgekosten einer unberechtigten Inanspruchnahme der Notfallaufnahme hinzuweisen?

Welche Kooperationen sind im Bereich der Kinderstation denkbar? Gibt es Anbieter, die eine Kinderstation kostendeckend am Klinikum Ansbach betreiben können? Besteht die Möglichkeit, auch Kinderchirurgie am Klinikum Ansbach anzubieten?

Gibt es die Möglichkeit, im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie eine Kooperation mit dem Bezirk Mittelfranken einzugehen?

Sicher gibt es noch viele Ideen, mit denen die Zukunft von ANregiomed gesichert werden kann. Wir stellen uns der Verantwortung und sind bereit, die notwendigen Schritte mitzugehen und entsprechende Beschlüsse zu fassen. Das Patientenwohl und die Sicherung qualitativ hochwertiger Arbeitsplätze stehen für uns im Vordergrund.

Mitarbeiter sind das „Herz“ einer Klinik

Zum Schluss möchten wir aus dem Online Portal „Management und Krankenhaus“ vom 08.12.2015 zitieren: „Alle Hochglanzbroschüren und alle anderen kommunikativen Maßnahmen sind überflüssig, wenn den Mitarbeitern in Krankenhäusern keine zentrale Rolle eingeräumt wird. Denn Mitarbeiter sind die wichtigste Ressource und das wichtigste Kapital jedes Hauses. Der Patient beurteilt nicht was, sondern wie die Leistung an ihm erfolgt. Sind Mitarbeiter zufrieden, erhöht sich deren Identifikation. Eine Marke, auch eine Klinikmarke, lebt von Identifikation, die bestenfalls von innen gelebt und nicht von außen „diktiert“ wird.“

Eine Mitnahme aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, unter Einbeziehung des Personalrats, stellt für uns eine absolut notwendige und unverzichtbare Maßnahme da.

Mit solidarischen Grüßen

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung des stv. Verwaltungsrats Martin Porzner.

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