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Symbolbild Ansbach. Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Ansbach. Foto: Pascal Höfig

JVA Ansbach: Ein Blick hinter die Mauern

Wie ist die Arbeit als Justizvollzugsbeamter in der JVA?

Die Justizvollzugsanstalt (JVA) ist den meisten Ansbacher nur von außen bekannt. Wie das Leben und Arbeiten hinter dem Stacheldrahtzaun aussieht, wissen hingegen die wenigsten. Anders ist das bei Alexander Steibl, er arbeitet als Justizvollzugbeamter im Ansbacher Gefängnis. Im Interview erzählt der 27-Jährige über den Arbeitsalltag mit den Gefangene und das Leben hinter Gittern.

Ansbach Plus: Herr Steibl, wie sieht ein Tag in der JVA Ansbach aus?

Alexander Steibl: Die Gefangen werden von uns um 6:30 Uhr geweckt, hierbei findet auch die Lebenskontrolle statt, das heißt, die Insassen müssen zum Beispiel den Arm heben, damit wir wissen, dass alles ok ist. Danach geht ein Teil der Gefangen von 7 bis 14 Uhr arbeiten und Mittagessen. Nach der Arbeit haben sie eine Stunde Zeit sich im Außenbereich zu bewegen. Anschließend dürfen sie auf dem Gang bleiben, duschen, Besucher empfangen oder sich einfach mit den anderen Straftätern unterhalten. Bei den Insassen, die nicht arbeiten, sieht der Tag etwas langweiliger aus. Sie dürfen nur eine Stunde im Außenbereich bleiben und jeden zweiten Tag auf den Gang. Die restliche Zeit verbringen sie in ihrer Zelle. Ab 19 Uhr sind alle Gefangene unter Verschluss. Auch die nicht arbeitenden Häftlinge dürfen zweimal im Monat Besuch empfangen.

Ansbach Plus: Wie wird entschieden, wer arbeitet und wer nicht?

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A. Steibl: Grundsätzlich darf jeder arbeiten, allerdings haben wir nicht für jeden der rund 70 Männer einen Arbeitsplatz. Zudem möchte nicht jeder Insasse arbeiten oder verhält sich einfach nicht gut genug, um ihn eine Tätigkeit anzuvertrauen. In der JVA gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, in der Küche mitzuhelfen oder für Playmobil zu arbeiten. Wer sich besonders gut verhält, darf im Putzdienst arbeiten, dann darf man sich im Haus frei bewegen. Neben einem kleinen Lohn ist für die Gefangenen die extra freie Zeit außerhalb der Zelle die größte Belohnung.

A+: Was für Straftäter sind in der JVA in Ansbach?

A. Steibl: Ganz unterschiedliche. Zu uns kommen Männer, die in Untersuchungshaft müssen, das heißt solange, bis das Urteil gesprochen wird. Vom Schwarzfahrer, Mörder oder Kindersexualstraftäter ist hier alles vertreten. Aber auch normale Haft bis zu einem halben Jahr ist hier möglich. Das sind dann immer Kleindilikte. Besonders interessant ist, dass es nicht nur Menschen aus der unteren sozialen Schicht sind, hier saßen auch schon Rechtsanwälte oder Kriminalbeamte.

A+: Geht man mit einem Schwarzfahrer anders um als mit einem Kindersexualstraftäter?

A.Steibl: Um den Menschen persönlich einzuschätzen, schaue ich mir schon immer die Akte an. Mittlerweile gehe ich aber mit jedem gleich um, man muss und man wird hier automatisch abgestumpft. Wenn ein Insasse wegen einer Sexualstraftat an Kindern sitzt, spricht sich das allerdings schnell herum. Solche sind dann bei den anderen Gefangenen ganz unten, müssen im schlimmsten Fall komplett isoliert gefangen gehalten werden, um sicher zu gehen, dass keine Gewalthandlungen stattfinden.

A+: Wie eng ist Ihr Verhältnis zu den Gefangenen?

A. Steibl: Die Schicksale der Insassen versuche ich so wenig wie möglich an mich heranzulassen. Viele Gefangene vertrauen den Mitarbeitern auch nicht richtig und reden nicht über ihre Taten, aus Angst, dass vor Gericht irgendwas gegen sie gesagt wird. Anderen hingegen gebe ich schon mal Ratschläge.

A+: Auch in der JVA in Ansbach kommt es alle paar Jahre mal vor, dass ein Insasse Suizid begeht, wie gehen Sie persönlich damit um?

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A. Steibl: Seit ich als Justizbeamter arbeite, musste ich das zum Glück noch nicht erleben. Die Lebenskontrolle jeden Morgen ist für mich schon zur Routine geworden und wie bei jeder Routine vergisst man manchmal, dass es auch irgendwann ernst werden kann. Ich versuche mir das immer wieder vor Augen zu halten. Die persönlichen Schicksale der Häftlinge berühren einen hingegen öfter mal, manchmal kann man dann auch die Straftat nachvollziehen. Zum Beispiel dann, wenn eine Person seine Familie verloren hat, Drogen konsumiert, um den Schmerz zu vergessen und dann Straftaten begeht, um sich den Drogenkonsum zu finanzieren.

A+: Gibt es einen Trend bei den Straftaten in Ansbach?

A. Steibl: Die Zahl der Wohnungseinbrüche und Drogendilikte ist im Raum Ansbach in letzter Zeit gestiegen. Tötungsdelikte werden hingegen weniger.

A+: Wie hoch ist die Rückfallquote bei den Insassen in der JVA Ansbach?

A. Steibl: 60 Prozent der Straftäter werden wieder rückfällig. Man darf auch nicht davon ausgehen, dass man bei den Gefangenen wirklich etwas bewirkt, sondern das eher als nice-to-have ansehen. Wenn man mit einem Insassen Gespräche führt und dieser dann nicht mehr rückfällig wird, ist das unbezahlbar. Wir haben sogar schon mal eine Postkarte von einem ehemaligen Häftling bekommen, der sich für unsere Arbeit bedankt hat, das kommt dann aber doch eher selten vor.

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