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Ansbacher Attentäter: Freistaat zahlte über 6.000 Euro für Therapie

Ominöser Heilpraktiker

Bayern zahlte für die Traumatherapie des Attentäters von Ansbach 6.632 Euro an den Heilpraktiker und selbsternannten Traumatherapeuten Axel von Maltitz. Das belegt nun eine Antwort des bayerischen Sozialministeriums – so heißt es in einer Pressemitteilung von SPD-Landtagsabgeordneten Georg Rosenthal. Von Maltitz und seine Frau betreiben den Verein Exilio e.V. in Lindau. Dieser stand bereits lange vor dem Ereignis in Ansbach in der Kritik. Trotzdem beschwichtigte die zuständige Sozialministerin Emilia Müller nach dem Anschlag, dass Exilio „von Seiten der Experten auch als Einrichtung geeignet“ sei.

Rosenthal (SPD): „Fehlbesetzung des Amtes“

„Meine Anfrage zeigt auch: Es gibt viel zu wenig Anlaufstellen für schwer traumatisierte Flüchtlinge. Deshalb geraten sie an schwarze Schafe ohne Qualifizierung“, warnt der Würzburger SPD-Abgeordnete Georg Rosenthal und ergänzt: „Dass die Sozialministerin allerdings einen Heilpraktiker als Therapeuten für Selbstmordgefährdete für geeignet hält, das spricht erneut für die Fehlbesetzung des Amtes. Bevor die CSU-Staatsregierung weiter irrationale Ängste vor Flüchtlingen schürt, sollte sie lieber ihrer Verantwortung nachkommen.“

Landratsamt übernahm Kosten

Das Landratsamt Lindau hat die Zusammenarbeit mit dem Verein schon seit längerem beendet. Davon und von den Briefen des ehemaligen Vereinsvorsitzenden wusste im bayerischen Sozialministerium wohl keiner etwas. Das Ansbacher Landratsamt hat die Therapiekosten auf Empfehlung des Bezirksklinikums übernommen, ohne die Qualifikation des Heilpraktikers zu hinterfragen.

Mehr Therapieangebote für Flüchtlinge

„Der Fall zeigt deutlich, dass wir das Therapieangebot für Flüchtlinge ausbauen müssen“, appelliert Rosenthal an die Sozialministerin. „Denn nur so könne der Pfusch der staatlichen Stellen wenigstens in Zukunft vermieden werden. Zusätzliche Therapiemöglichkeiten müssten dann den unvorstellbaren Erlebnissen der Flüchtlinge Rechnung tragen. Ebenso braucht es ausreichend Dolmetscher und vor allem Dolmetscherinnen. Ein flächendeckendes Angebot könnte auch Kosten sparen. So machten alleine die Fahrtkosten und Übernachtung über 1.500 Euro an den Gesamtkosten der Lindauer Therapie aus.“

Artikel beruht auf einer Pressemitteilung des Abgeordnetenbüros von Georg Rosenthal (SPD).

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