Symbolbild Ansbach. Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Ansbach. Foto: Pascal Höfig

Wie gut kennt Ansbach seine Flüchtlinge?

„Ein bisschen Angst, dass die Stimmung kippt, habe ich aber schon“

Ahmed Nashwan unterstützt und betreut Flüchtlinge, die in Ansbach studieren möchten. Der 26-jährige Jordanier hat selbst in Deutschland studiert und lebt seit vier Jahren in Ansbach. Im Interview erzählt er, welches Problem Deutschland bei der Flüchtlingspolitik hat und wie es den Flüchtlingen nach dem Anschlag in Ansbach geht.

Ansbach Plus: „Du betreust selbst Flüchtlinge im Rahmen eines Hochschulprojekts. Wie ist es möglich, dass ein Terroranschlag in Ansbach passiert ist?“

Ahmed Nashwan: „Deutschland hat die Türen einfach für alle aufgemacht. Es kommen so viele Flüchtlinge, da gibt es gute und auch schlechte. Das Problem ist herauszufinden, wer die schlechten sind. Es fehlen die Kontrollen, keiner weiß, was das für Menschen sind.“

A+: „Die Asylbewerber werden auch in Ansbach betreut. Sollte man da nicht merken, wenn ein Flüchtling sich radikalisiert hat?“

Ahmed: „Ein großes Problem ist die Betreuung selbst. Die Flüchtlinge bekommen Hilfe, aber es fehlt einfach der direkte Kontakt mit dem Menschen. Sprachunterricht und Kontakt zum Betreuer reichen nicht, um die Asylbewerber richtig kennen zu lernen. Zudem fehlt das Feedback für die Behörde, was für Menschen in den Unterkünften wohnen.“

A+: „Was muss sich in der Flüchtlingspolitik deiner Meinung nach ändern?“

Ahmed: „Wir brauchen mehr Leute, die die Flüchtlinge besser repräsentieren können. Ihre Kultur, Sprache, Erziehung muss verstanden werden, um die Menschen besser einschätzen zu können. Ohne tieferes Hintergrundwissen über das Land des Geflüchteten ist es schwierig, wirklich herauszufinden, was in den Köpfen der Menschen vor sich geht. Um Sicherheit zu gewähren, ist es deshalb so wichtig, mehr über die Flüchtlinge zu wissen.“

A+: „Welche Erfahrung hast du mit den Ansbacher Flüchtlingen gemacht?“

Ahmed: „Ich betreue und helfe vor allem syrischen Flüchtlingen, die in Deutschland studieren möchten. Sie sind gebildet, wollen lernen, arbeiten und sich einfach in unsere Gesellschaft einfügen. Es gibt in jedem Land schwarze Schafe. Leider gibt es auch Flüchtlinge, die unseren Sozialstaat ausnutzen, nichts arbeiten wollen und gar nicht auf unsere Hilfe angewiesen sind. So etwas ist nicht akzeptabel. Ein Terrorakt bleibt zum Glück die Ausnahme. Merkels Flüchtlingspolitik ist nicht grundsätzlich falsch, aber Hilfe für die falschen Menschen, das ist falsch.“

A+: „Du bist selbst Araber. Hast du nach dem Anschlag Angst vor den Reaktionen der Leute?“

Ahmed: „Ich bin seit vier Jahren in Ansbach und habe bis jetzt nie schlechte Erfahrungen mit Deutschen gemacht. Ich habe schnell Anschluss gefunden und bin mit vielen Deutschen befreundet. Ein bisschen Angst, dass die Stimmung kippt, habe ich aber schon. Auch die Flüchtlinge haben Angst. Nach dem Anschlag hat mich gleich ein Flüchtling angerufen und gefragt, wie er sich jetzt verhalten soll. Solche Leute wie der Ansbacher Attentäter werfen ein schlechtes Licht auf alle anderen Flüchtlinge. Der Familienvater fürchtet nun, dass er keinen Job bekommt. Er hat Pläne, will anständig und respektvoll in unserer Gesellschaft leben. Jetzt hat er Angst, dass das nicht mehr möglich ist.“

A+: „Welche Botschaft möchtest du den Ansbachern nach dem Anschlag mitgeben?“

Ahmed: „Die Leute sollen keine Angst haben. Die meisten Flüchtlinge sind sehr friedlich. Sie sind selbst vor dem Terror geflüchtet und möchten sich in Deutschland ein neues Leben aufbauen. Was diese Woche in Ansbach passiert ist, ist sehr schrecklich, trotzdem darf man nicht vergessen, dass dieser Mann nicht den Großteil der Flüchtlinge repräsentiert.“

- ANZEIGE -

Kommentare zum Artikel

Kommentare zum Artikel

AUCH INTERESSANT