Banner
Symbolbild Ansbach. Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Ansbach. Foto: Pascal Höfig

Veranstaltungs-Verbot im Speckdrumm: Nach 30 Jahren Kultur-Basis-Arbeit droht das Aus

Pressemitteilung des Vereins Speckdrumm, Ansbach, 04.01.2016

Veranstaltungs-Verbot im Speckdrumm: Nach 30 Jahren Kultur-Basis-Arbeit droht das Aus – Verein: „Kultur ist nicht kündbar!“

Am 22. Januar 2016 begeht der Kulturverein Speckdrumm sein 30jähriges Jubiläum. Doch die Feier muss auf der Straße stattfinden, wenn es nach dem Willen des städtischen Hochbauamts geht. Kurz vor Jahreswechsel, am 30.12.2015 erhielten die Vorsitzenden ein Schreiben der Ansbacher Stadtverwaltung mit dem sofortigen Verbot aller Veranstaltungen in der Speckdrumm Halle in der Naglerstrasse 9.

Der Stadt gehören die Räumlichkeiten, die seit 20 Jahren vom Verein gemietet werden. Im September 2015 wurde in einer nicht-öffentlichen Bau-Ausschuss-Sitzung eine Nicht-Verlängerung des bisher immer um ein Jahr verlängerten Mietvertrags beschlossen (Bericht in der FLZ vom 13.11.2015). Damit würde zum 31.10.2016 das Mietverhältnis beendet.

Rectangle
topmobile2

In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Vereins wurde zur Zukunft der Veranstaltungshalle in der Naglerstraße Position bezogen: Solange keine gleichwertige Alternative vorhanden sei, müsse der Weiterbetrieb gewährleistet werden, heißt es in einem einstimmigen Beschluss.“ Mit dieser Zielsetzung wurde der dreiköpfige Vorstand bestehend aus Burkhard Baumann, Hans Ruppert und Michaela Matshikiza beauftragt, mit der Stadt und Kooperationspartnern in Verhandlungen zu treten.

Die Stadt hatte die Zusicherung gegeben, gemeinsam nach einem Alternativ-Standort zu suchen, in dem im Optimalfall weitere Kultur-Akteure, Künstler, Veranstalter und Musiker untergebracht werden können. Mit diesem Ziel hat der Verein mit Ansbacher Kulturschaffenden und potentiellen Kooperationspartnern bereits konstruktive Gespräche aufgenommen. Doch statt nach einer Lösung zu suchen, wird nun das Aus der Location forciert. Damit würgt die Stadt alle Bemühungen ab, einen fließenden Übergang bis zur Inbetriebnahme eines neuen Kultur-Domizils zu gewährleisten.

„Gerade in den letzten Jahren haben wir uns massiv für die Erhaltung der Bausubstanz in der Naglerstrasse eingesetzt und in ehrenamtlicher Arbeit Mauerwerk, Schall- und Brandschutz verbessert. Warum sich jetzt plötzlich innerhalb von drei Monaten die Sicherheitslage so dramatisch verschlechtert haben soll, dass das Gebäude von heute auf morgen nicht mehr genutzt werden kann, ist uns ein Rätsel“ so Hans Ruppert. Im Brief der Stadt wird das Verbot nicht einmal im Detail begründet, sondern nur lapidar auf die Verkehrssicherheit und den Brandschutz hingewiesen. So wird dem Verein jede Chance genommen, die Beseitigung von beanstandeten Mängeln zu prüfen.

„Für uns ist es unfassbar, wie hier mit Partnern – den ehrenamtlich Kulturschaffenden – umgegangen wird. Wir leisten Kultur-Basis-Arbeit, die eigentlich die Aufgabe der Stadt ist. Hier ist der Nährboden für die kulturelle Vielfalt unserer Stadt“ so Baumann. „Ohne den Kulturverein Speckdrumm gäbe es über die Aktivitäten in der Halle hinaus auch kein Kunsthaus Reitbahn 3, keine Junge Kunstschule Ansbach, keine Literaturreihen und -Preise, kein Bardentreffen und vieles mehr. Was hier in ehrenamtlicher Arbeit geleistet wird, darf nicht in solcher Währung von der Stadt zurückgezahlt werden.“

Michaela Matshikiza ergänzt: „Wer aktiv gestalten und nicht nur konsumieren möchte, ist im Speckdrumm richtig. Wir übernehmen gesellschaftliche Aufgaben der Stadt, Jugend- und Musikkultur in Ansbach zu gewährleisten. Die Speckdrumm-Halle ist in Ansbach ein Inbegriff für Konzerte, Kunst und Veranstaltungen, die eine Bühne vor allem für regionale Akteure, Alternativ- und Subkultur, für unkommerzielle und experimentelle Arbeiten bietet. Zahlreiche Künstler und Musiker hatten hier ihre ersten Auftritte. Vereinen und Institutionen bietet die Halle ein Dach für ihre Aktivitäten. Konzerte, Aufführungen, Kunst-Workshops, Abi- und Hochschul-Feiern, Kurse des Ferienpasses der Stadt Ansbach und Veranstaltungen des Jugendrates müssen jetzt abgesagt bzw. können erst gar nicht geplant werden. Wer übernimmt nun die eigentlich grundlegenden Aufgaben der Stadt Ansbach zur Bereitstellung und Organisation eines vergleichbaren Raumes für all die betroffenen Bürger – die letztlich auch Wähler und Steuerzahler sind?“

Der Vorstand des Speckdrumms fühle sich „für dumm verkauft“. „Wir haben das Gefühl, dass alles was nicht dem vermeintlichen Mainstream entspricht aus Ansbach verdrängt werden soll. Dabei könnten die Räumlichkeiten mit einem im Vergleich zu anderen Posten geringen Aufwand zumindest bis zur Findung eines Alternativ-Standorts in Schuss gehalten werden. Wir sind weiterhin für Gespräche offen und denken, dass es im Interesse Aller ist, die kulturelle Vielfalt in Ansbach zu erhalten und zu fördern. Kultur ist nicht kündbar!“

Banner 2 Topmobile