Symbolbild Ansbach. Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Ansbach. Foto: Pascal Höfig

Hirnforschung und Montessoripädagogik

Hirnforschung und Montessoripädagogik

Zu dem vom Montessori-Verein Ansbach initiierten Fachvortrag hatten sich zahlreiche interessierte Zuhörer am Samstag, den 28. Februar im Audimax der Hochschule Ansbach eingefunden. Frau Prof. Dr. Ute Ambrosius ließ es sich als Präsidentin der Hochschule nicht nehmen, den aus Hamburg angereisten Professorenkollegen persönlich zu begrüßen. In ihrem Grußwort wies sie darauf hin, dass Pädagogik nicht nur bei Kindern sondern auch bei den Studierenden eine immer größere Rolle spielt, da in Zukunft lebenslanges Lernen in Ausbildung und Beruf die Regel sein wird.

Professor Zimpel stellte seinem Vortrag voran, dass seines Wissens die Montessoripädagogik das einzige Konzept auf wissenschaftlicher Basis in Deutschland ist. In diesem Konzept nimmt das Spielen, in der Montessoripädagogik als Freiarbeit bezeichnet, eine zentrale Rolle ein. Das kindliche Spiel und seine Auswirkung auf das Gehirn waren somit einer der zentralen Punkte des Vortrags. Förderlich ist dabei allerdings nur das Spiel, das Kinder von sich aus gern spielen, das ihren augenblicklichen Fähigkeiten und Kompetenzen entspricht und sie weder über- noch unterfordert. Spielen darf nicht „verordnet“ werden, die pädagogische Herausforderung besteht darin, Begeisterung bei den Kindern möglich zu machen, sie sind im Spiel Baumeister ihrer selbst.
Erstaunen rief bei vielen Zuhörern die Aussage Zimpels hervor, dass Kleinkinder über viel mehr neuronale Verschaltungen im Gehirn verfügen als Erwachsene. Schon zweijährige Kinder verfügen laut den Ergebnissen der Hirnforschung über dieselbe Anzahl von Nervenverbindungen wie Erwachsene, bei Dreijährigen hat sich die Zahl sogar verdoppelt. So ist das Gehirn von Kleinkindern in der Lage, sensibel die Laute aller Sprachen zu unterscheiden. Diese Fähigkeit geht notwendigerweise wieder verloren, da Kinder in ihrer weiteren Entwicklung natürlicherweise nur ein oder zwei Sprachen erfahren. Andrè Zimpel fasste das griffig zusammen: „Kinder kommen als Kosmopoliten zur Welt, um sich später zu Provinzlern zu entwickeln“. In diesem Zusammenhang warnte der Referent eindringlich vor der zurzeit modernen übertriebenen „Förderitis“ von besorgten Eltern, die ja nichts für die Entwicklung ihres Kindes versäumen möchten. Sie nehmen dadurch den Kindern viel Zeit für ihre Entwicklung durch das Spiel und erzeugen mehr Frust als Nutzen. Stress macht das Lernen schwer, dagegen helfen Freude und Spaß beim Lernen und vor allem das Vertrauen in die besonderen Kompetenzen jedes einzelnen Kindes. Hier sieht Professor Zimpel die Stärken der Pädagogik, die Maria Montessori wissenschaftlich entwickelt hat und die immer häufiger Grundlage moderner pädagogischen Konzepte ist und durch die moderne Hirnforschung bestätigt wird.
Der Referent verstand es vorbildlich, auch komplexe Ergebnisse der Hirnforschung allgemeinverständlich und ohne jedes Fachchinesisch zu erklären und seine Thesen damit zu belegen. Seine humorvollen Ausführungen waren mit kurzen Filmszenen und eingängigen Beispielen aus seinem Forscherleben gewürzt und zeigten den Zuhörern somit auch praktisch wie viel Spaß es macht Neues zu lernen.
Sowohl der Beifall am Ende des Vortrags wie auch die Nachfragen vieler Zuhörerinnen und Zuhörer und die regen Diskussionen untereinander zeigten den Veranstaltern, dass der Abend mit Professor Zimpel ein voller Erfolg und für alle gewinnbringend war.

Quelle: Montessori-Verein

- ANZEIGE -

Kommentare zum Artikel

Kommentare zum Artikel

AUCH INTERESSANT