Symbolbild Ansbach. Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Ansbach. Foto: Pascal Höfig

Ausbildung bringt was – Spätstarter gesucht!

Zwei Beispiele aus dem Bereich der Agentur für Arbeit Ansbach – Weißenburg zeigen Möglichkeiten:

Der Arbeitsmarkt wandelt sich. Bedingt durch die demografische Entwicklung gibt es weniger Nachwuchs. Gleichzeitig nehmen die Anforderungen an die Arbeitnehmer durch den technischen Fortschritt und die Globalisierung zu. „Einfache“ Tätigkeiten für Ungelernte werden immer seltener angeboten.

Grund genug für die Arbeitsagenturen und Jobcenter, bundesweit die Kampagne „Spätstarter gesucht“ auszurufen. Sie hat das Ziel, jungen Menschen ohne Ausbildung zu einem Berufsabschluss zu verhelfen und zur Deckung des Fachkräftebedarfs beizutragen. Dafür gibt es verschiedene Programme für junge Erwachsene, die von der Ausbildungsvergütung allein nicht leben könnten.

Umschulung zur Bürokauffrau – Neuanfang mit 34

Ellen Schmitz aus Abenberg ist eine solche „Spätstarterin“, die es mit 34 Jahren noch einmal wissen will. Sie hat am 1. August eine Umschulung zur Bürokauffrau bei der Alfa Renovierung GmbH in Roth begonnen. Es ist nicht die erste Ausbildung, aber im erlernten Beruf als Tierarztfachhelferin gab es schon nach der Ausbildung vor gut zehn Jahren kaum Arbeitsmöglichkeiten. Deshalb verdiente die Alleinerziehende ihr Geld jahrelang als Produktionshelferin in der Zeitarbeit. Das fand sie zunehmend „frustrierend“ und wollte endlich eine Perspektive für sich und ihre kleine Tochter.

Die Idee einer Umschulung entstand beim Beratungsgespräch in der Arbeitsagentur Roth. Dort hat Ellen Schmitz auch von der Ausbildungsstelle bei der Alfa Renovierung GmbH erfahren und absolvierte dort zunächst ein Praktikum. Danach hat sich Geschäftsführer Daniel Plaschke schnell entschieden, seinen freien Ausbildungsplatz „mit jemand Älterem“ zu besetzen, der „schon mitten im Leben steht“.

Diese Lebenserfahrung ist auch der Grund, warum von der Arbeitsagentur geförderte Umschüler die Ausbildungszeit laut Gesetz um ein Drittel verkürzen (müssen). Konkret bedeutet das, dass Umschüler im zweiten Ausbildungsjahr einsteigen und die Inhalte des ersten Jahres – mit Unterstützung ihres Arbeitgebers – nachlernen müssen. Auch für Ellen Schmitz findet die Zwischenprüfung bereits im Frühjahr 2014 statt. „Lernen fällt mir leicht“, sagt sie und ist genauso wie ihr Chef optimistisch, dass sie das schaffen wird.

Zweiter Anlauf mit 23: „Traumberuf Fleischer“

Jemand, der es schon geschafft hat, ist Martin Weiss. Er hat seit Juli seinen Gesellenbrief als Fleischer in der Tasche und ist weiterhin in seinem Ausbildungsbetrieb, der Metzgerei Reich in Weißenburg, beschäftigt. Auch Weiss war „Umschüler“ und musste die Ausbildung um ein Jahr verkürzen. Doch für den theoretischen Teil holte er sich Unterstützung und besuchte die ausbildungsbegleitenden Hilfen „abH“. Das ist eine Art Nachhilfeunterricht, der von der Agentur für Arbeit finanziert und vom bfz Weißenburg durchgeführt wird.

Der jetzt 25-Jährige hatte gleich nach der Schule schon einmal eine Ausbildung zum Fleischer begonnen, diese dann aber abgebrochen. Die nächsten Jahre war er als Hilfskraft in der Zeitarbeit, aber auch in einer Pleinfelder Metzgerei tätig. „Ich wollte schon immer Fleischer werden“, sagt er und findet, dass das „ein sehr schöner Beruf“ ist. Bei Metzgermeister Willi Reich fühlte er sich von Anfang an gut aufgehoben. Der wiederum hatte schon einmal sehr gute Erfahrungen mit einem Umschüler gemacht und war sofort bereit, es mit dem Pleinfelder zu versuchen. Die Motivation war für ihn ausschlaggebend, aber Willi Reich sieht auch den Vorteil, dass ältere Azubis Auto und Führerschein haben und dass es bei der Arbeitszeit keine Einschränkungen gibt. Martin Weiss jedenfalls ist glücklich, den Berufsabschluss jetzt in der Tasche zu haben – in seinem „Traumberuf“ mit Zukunft. Denn Fleischer/Fleischerin gehört zu den Handwerksberufen, in denen es deutlich mehr Stellen als Bewerber gibt.

 

Fördermöglichkeiten für Arbeitslose und Beschäftigte

Finanziell haben Arbeitgeber zunächst keinen besonderen Nutzen, wenn sie sich für einen Umschüler entscheiden. Sie zahlen die Ausbildungsvergütung wie bei einem „normalen“ Azubi auch. Die Vorteile liegen in der Motivation und Lebenserfahrung und darin, dass die Ausbildung bereits nach zwei Jahren abgeschlossen ist.

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