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Symbolbild Ansbach. Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Ansbach. Foto: Pascal Höfig

Mehr Fahrgäste für Bus und Bahn

Mehr Fahrgäste für Bus und Bahn. Wie ein neues Konzept für den ÖPNV im Landkreis Ansbach entsteht. Ein Artikel von Andreas Obermann, freier Journalist.

Wer von Dietenhofen zur Bad Windsheimer Therme mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren möchte, braucht an einem Montagvormittag drei Stunden und muss viermal umsteigen. Von Feuchtwangen zum Neuendettelsauer Krankenhaus ist man zur gleichen Uhrzeit mindestens eineinhalb Stunden unterwegs und muss zweimal umsteigen. Für beide Strecken brauchen Autofahrer lediglich 30 Minuten.Die langen Reisezeiten mit dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) erklären sich durch kilometerlange Umwege und Wartezeiten von über 20 Minuten. Deshalb wird das Angebot höchstens von vier Prozent der Landkreisbewohner genutzt, darunter vor allem Schüler, da sie für ihren Schulweg auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind.

 

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Wie müssten also Bus und Bahn fahren, um häufiger genutzt zu werden?

Diese Frage hat Johannes Völkert in seiner Masterarbeit im Studiengang Internationales Bauwesen an der Georg-Simon-Ohm Hochschule, versucht zu beantworten. Sein hypothetisches Ziel: 80 Prozent der Bewohner des Ansbacher Landkreises nutzen regelmäßig den ÖPNV, wodurch sich der Energieverbrauch im motorisierten Verkehr mindestens halbieren würde.

Völkert ist bei der Fahrplanentwicklung ganz systematisch vorgegangen und hat zuerst eine Übersichtskarte der bestehenden Infrastruktur des Landkreises angefertigt. Im nächsten Schritt fügte der 27-Jährige alle Ortschaften der Karte hinzu, die entsprechend der Richtlinie für Leitlinie zur Nahverkehrsplanung in Bayern überhaupt Anspruch auf eine Bus- oder Bahnhaltestelle hätten. Grundvoraussetzung dafür sind mindestens 150 Einwohner  – das erfüllen immerhin knapp 200 Orte. Im Anschluss konzipierte er die Busrouten und passte diese an sein Linienkonzept der Bahn an, um Umsteigezeiten zu verkürzen.

 

Ansbach als Verkehrsknoten

Obwohl die Stadt Ansbach nicht auf den anfangs genannten Strecken liegt, fahren viele Buslinien es trotzdem an. Denn die mittelfränkische Bezirkshauptstadt ist der Knotenpunkt des öffentlichen Nahverkehrs der Region. Das liegt an der recht zentralen Lage und an den Zugstrecken R7/S4 von Crailsheim nach Nürnberg und R8 von Treuchtlingen nach Würzburg, die sich dort kreuzen.

Doch die langen Umwege über Ansbach, so Völkert, verlängerten die Fahrtwege enorm. Dazu kommt noch, dass die Busse sehr selten fahren und die vielen Haltestellen der einzelnen Linien. Ganz anders in Völkerts Konzept: Alle Busse fahren in einer Viertelstunden-Taktung und zielgerichteter. Wartezeiten und Reisewege werden so deutlich kürzer.

„Das wäre bei der aktuellen Nachfrage natürlich wirtschaftlich unrentabel“, erklärt der ehemalige  Student. Die für den ÖPNV anfallenden Kosten hätten bei der Masterarbeit keine Rolle gespielt, betont Professor Harald Kipke, der die Abschlussarbeit betreut hat. „Es ging uns nur darum, wie ein attraktives ÖPNV-Angebot überhaupt aussehen müsste, um eine entsprechende Nachfrage zu generieren.“

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Vom Linienkonzept zum Fahrplan

Bisher ist das Konzept nur theoretisch, allerdings ist der ehemalige Ansbacher seit seinem Abschluss als technischer Mitarbeiter an der Bauingenieurfakultät tätig und möchte zusammen mit seinem ehemaligen Professor Harald Kipke auf Grundlauge seiner Masterarbeit weiter daran forschen.

„Das heißt, wir ermitteln den Zuspruch für mein Linienkonzept und erstellen daraufhin einen konkreten Fahrplan“, erklärt Völkert.

Beide Verkehrsplaner können sich auch vorstellen, noch Leihautos und -räder in ihren Entwurf zu integrieren. So könnten gerade Berufspendler und Freizeitreisende im ÖPNV eine echte Alternative zum motorisierten Individualverkehr finden. Doch, bis dahin ist es wohl noch ein weiter Weg.

 

 

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